Welterbe Hallstatt

Welterbe Hallstatt

Baukulturelles Erbe im Salzkammergut

Transkript

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Das Ischler Kurmittelhaus, welches heute den sehr originellen Namen Eurotherme trägt, stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Ischler Kurbetrieb war zumindest bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs ein Selbstläufer. Das heißt, durch die Anwesenheit des kaiserlichen Hofes kamen die Kurgäste nach Ischler eigentlich automatisch, man musste keine besondere Werbung machen, der Betrieb lief. Nach dem Ersten Weltkrieg sah diese Situation völlig anders aus. Der Fremdenverkehr war 1918, 1919 völlig zusammengebrochen. Und in der Stadtgemeinde Bad Ischl machte man sich Gedanken, wie man diesen Kurbetrieb wieder beleben könnte. Denn die Badeanlagen waren schon stark veraltert und eigentlich für einen modernen Betrieb nicht mehr brauchbar. Relativ bald nach dem Ersten Weltkrieg 1921 bildete sich eine Heilbadgesellschaft, aus der dann 1926 das Bäderkomitee hervorging. Und dieses Bäderkomitee kam zu dem Schluss, man muss einfach Geld in die Hand nehmen, Man muss investieren, man muss repräsentativ bauen, um wieder Kurgäste nach Ischl zu bekommen. Man sah sich auch ein wenig im Lande um. Es gab ganz ähnliche Bestrebungen etwa in Bad Hall und in Bad Schallerbach, wo man auch versucht, in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit durch Aktivierung des Kurbetriebs einfach wieder Touristen zu bekommen. Man entschied sich bei der Architektur für einen Wettbewerb. Was wir aus dem Vorgehen damals lernen konnten, es wurden wirklich die besten Architekten herangezogen, um wirklich Planungen, Entwürfe zu bekommen, die eine dauerhafte, fast zeitlose Qualität besitzen. Hier in Bad Ischl war einerseits der durchaus in der Gesamtmonarchie schon anerkannte Experte für Sanatorien, für Gesundheitsbauten, für Krankenhausbauten, Hans Schimitzek, der auch das Ischler-Kaiserin-Elisabeth-Spital geplant hatte, der arbeitete eine detaillierte Studie aus, wo wirklich bis ins letzte Detail diese technischen Anfordernisse des Kurbetriebs berücksichtigt wurden.

Darüber hinaus lobte aber auch das Bäderkomitee den Wettbewerb insofern aus, indem man sehr prominente Architekten einlud, wie etwa Mauritz Balzarek, der sich durch seine Bauten Bad Schallerbach schon einen Namen gemacht hatte. Und man holte sich wirklich den Weltstar Clemens Holzmeister. Clemens Holzmeister gilt sicher als der bedeutendste Architekt in Österreich, zumindest so um die Mitte des 20. Jahrhunderts. Holzmeister war sehr lange eigentlich brasilianischer Staatsbürger, nahm erst relativ spät in den 1950er Jahren die österreichische Staatsbürgerschaft an und auch Clemens Holzmeister mit seinem genialen Büropartner Max Fellerer nahmen am Wettbewerb teil.

1926 wurde dann in einer zweitägigen Jury-Sitzung entschieden und zum Zug kam tatsächlich das Projekt Holzmeister Fellerer, das unter der Entwurfsbezeichnung "Ausgebreitet" schon die Entwurfsgedanken zusammenfasst, der Baukörper breitet sich aus, der Bauplatz ist der Rudolfspark und wir stehen jetzt davor, sehen diesen, Das Eingangspavillon, dieser Pavillon nimmt durchaus einerseits noch diese spätklassizistische Formensprache auf, wie wir sie etwa bei der Trinkhalle finden, diese schlanken Säulen. Dieser Portikus entbehrt aber jeglichen Zierrats, das heißt, es ist einerseits noch dieses traditionelle Bauen, das aus dem 19. Jahrhundert kommt, für das vielleicht auch Holzmeister noch steht.

Andererseits schon eine sehr moderne Formensprache, wie sie dann vor allen Dingen von Max Fellerer weitergetragen wird. Wenn wir jetzt beim Ischler Kurmittelhaus die Stiegen hinaufsteigen und wirklich etwas schon angehoben werden, also auch hier wieder von Clemens Holzmeister und Max Fellerer diese klassizistische Formensprache. Wir sind jetzt in dieser sehr hohen, noch offenen Vorhalle, in diesem Exonarthex und gehen jetzt hinein und werden praktisch vorbereitet. Wir kommen vom sehr hohen Luftigen in einen relativ niederen, engen, schmalen Bereich. Es wird dunkler, wir gehen weit hinein, kommen in einen zylindrischen Raum, der jetzt sehr dunkel und nieder ist. Und auf einmal öffnet sich diese Halle und das ist wirklich eine großartige Architektur von 1929, die ja eigentlich noch barock anmutet, eine herrliche Raumregie auch von der Verarbeitung der Materialien. Wir haben hier noch österreichische Buntkalksteine, also eine unglaublich gelungene Raumregie und auch ein Bauwerk der Kurarchitektur, was schon wieder über 80 Jahre gut funktioniert. Und wenn wir uns die Details anschauen, diese ganzen steingewendeten Türen, das ist alles in so einer perfekten Ausführung, dass es wirklich die Jahrzehnte überdauert.

Man kann sich hier schon heute ein Vorbild nehmen, mit welcher Architektur man arbeitet. Holzmeister war zu der Zeit, als er in Ischl das Kurmittelhaus plante bereits ein Weltstar. Zeitgleich arbeitete er in der Türkei und arbeitete am Masterplan für Ankara. Er hat zu dieser Zeit gleichzeitig nahezu komplett Ankara entworfen und auch sehr wichtige Bauten in Ankara.

Wenn wir jetzt wieder nach außen treten, sehen wir eigentlich, wir treten aus der Hauptachse hinaus und sehen gegenüber auf der Achse des Kurmittelhauses einen sehr schönen Pavillon aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In den Jahren 1953 etwa schuf der Ischler Architekt Heinz Kabus den Pavillon der Kurverwaltung, der jetzt auf das Kurmittelhaus Bezug nimmt. Er ist natürlich zurückhaltend kleiner, öffnet sich aber in seiner Fassade dem Kurmittelhaus gegenüber. Also diese Baukörper korrespondieren. Dieser Pavillon von Heinz Kabus steht bereits unter Denkmalschutz. Also es ist hier auch sehr schön zu sehen, dass ein Gebäude nicht unbedingt ein hohes Alter aufweisen muss, unter Denkmalschutz gestellt zu werden. Es ist einzig und allein die Qualität, welche zählt. Wenn wir uns den Baukörper im Detail anschauen, sein Sockel springt weit zurück, sodass der Baukörper vom Boden abhebt, schwebt, eine unheimliche Leichtigkeit besitzt. Und für mich ist das auch ein sehr schönes Zeichen, dass es in jeder Epoche möglich ist, gute Architektur zu machen, Architektur zu machen, welche dauerhaft ist, Architektur zu machen, welche mit ihrer Umgebung korrespondiert. Es ist oft einfach das Gefühl oder das Wollen, das Eingehen auf die Umgebung, vielleicht auch, was heute manchmal fehlt, eine gewisse Bescheidenheit, dass man nicht unbedingt die großen Akzente setzen möchte, sondern eher Zurückhaltung üben, anschauen, was ist da und das Bestreben, ein Teil des gesamten Ambientes zu werden.

Über diesen Podcast

Das Welterbegebiet Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut ist eine einzigartige Kulturlandschaft mit einem reichen baukulturellen Erbe. Mein Name ist Friedrich Idam und ich stelle ihnen in jeder Episode eine neuen Aspekt unseres Welterbes vor. Dieser Podcast wird von Welterbe - Management Hallstatt unterstützt.

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von und mit Friedrich Idam, Gestaltung: Reinhard Pilz

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