Kulturelles Erbe im Salzkammergut
Über die Premblechner Karte habe ich schon in der Episode über den Pfannhausplatz berichtet. Ich produziere diese Episode jetzt Anfang 2026 und bis 22. März 2026 ist die Premblechner Karte im Original in Wien in der Albertina zu sehen. Also wenn Sie zufällig in Wien sind, Zeit haben und sich die Sonderausstellung Faszination Papier ansehen, werden Sie in dieser Ausstellung auch das Original der Premblechner Karte sehen können. Und ich empfehle es Ihnen wirklich von Herzen. Es ist wirklich ein beeindruckendes Zeitdokument, das in einer hochwertigen, akribischen, hervorragenden Darstellung in Farbe, das ist mit Feder gezeichnet, mit Deckfarben ausgemalt, Hallstatt zeigt, bevor es 1750 abgebrannt ist. Am Plankopf, wo vermerkt ist:
?? Verzaichnus
?? vor Dissen Entwurf des Kayl: Marckhts Hallstatt allhie
Auch daran ligenten Tremisch[en] …?? der ??…… See, mit Thaills
Am Marckht anligenten Bergen und Tällern, so durch Mich
Jacob, Antony Premblechner Gemacht, und in Grundt
Gelegt und Verfertiget
Verzeichnis vor diesem Entwurf des kaiserlichen Marktes Hallstatt anhi.
Also der Autor Jakob Anton Premblechner nennt sich mit Stolz als Autor auf dem Plankopf. Darüber hinaus sind auf dem Plankopf wirklich von allen Häusern die Besitzer, teilweise auch der Zweck der Gebäude vermerkt, sodass diese Premblechner Karte wirklich eine gebündelte Information aus textlichen und bildlichen Quellen darstellt.
Diese Karte ist vor nicht allzu langer Zeit im Archiv der Albertina gefunden worden. Die Grafische Sammlung Albertina in Wien ist ja die wohl weltweit bedeutendste grafische Sammlung. Und im Archiv, in den Beständen liegen etwa eine Million Dokumente. Und unter dieser Million, da kann natürlich manchmal etwas untergehen, Ist diese Karte gefunden worden. Es geht aus dem Plankopf hervor, wer sie gemacht hat, dass sie Hallstatt darstellt. Aber sie ist nicht datiert. Jetzt ist die Albertina zuerst an das Museum Hallstatt herangetreten mit der Frage, wann könnte diese Karte entstanden sein. Das Museum Hallstatt hat diese Anfrage an mich weitergeleitet und ich habe mich mit dem Johann Unterberger, mit dem Busser Hans, der sehr, sehr viel über die Geschichte Hallstatts weiß, zusammengesetzt. Und wir haben dann sehr akribisch den Gebäudebestand, der auf der Karte dargestellt ist, untersucht und haben aufgrund dessen eine zeitliche Einordnung auf wenige Jahre genau geschafft. Es gibt ja so ganz markante Punkte in diesen Hallstattdarstellungen, zum Beispiel die Kalvarienberg-Kirche, die Kalvarienberg -Anlage 1711 erbaut, das ist einmal ein Marker, eine Landmark und die ist schon drauf. Und natürlich, es ist noch das Pfannenhaus im Markt dargestellt, also der Zustand vor dem Marktbrand 1750, dass man die Karte auf das allererste grobe einmal in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts einordnen konnte. Dann gibt es natürlich, wenn man genauer ins Detail geht, sehr viele Indizien, die eine genauere Einordnung erlauben. Zum Beispiel die Angstkapelle am Friedhof, die wurde 1730 erbaut und ist auf dem Blatt bereits dargestellt.
Sehr interessant ist die Darstellung des Turmhelms der katholischen Kirche. Es ist weder der alte, einfache, gotische Helm in Form eines Pyramiden-Dachs, den wir zum Beispiel aus den Darstellungen Rietzingers Anfang des 18. Jahrhunderts kennen. Es ist aber auch nicht das heute sehr gedrungene, pagodenartige Dach, sondern es ist ein Doppelzwiebelhelm, ziemlich genau so, wie er auch auf der Pfarrkirche in Laufen zu sehen ist. Und dieser Helm, da gibt es in der Literatur Unterlangen, der wurde 1735 anstelle des alten, vermorschten Turmhelms aufgesetzt und ist bereits 1750 wieder abgebrannt. Also der war wirklich nur für 15 Jahre am Turm der katholischen Kirche und daher ist natürlich jetzt schon eine sehr genauere Einordnung zwischen 1735 und 1750 möglich. Und dann sieht man noch am Marktplatz, sehr interessant dargestellt in einer Genauigkeit, wie es bisher noch überhaupt nicht gegeben war die Spitalskirche, die stand am Marktplatz oberhalb der Dreifaltigkeitssäule und bei dieser Spitalkirche ist noch der alte gotische Spitze Turmhelm dargestellt und der wurde 1739 barockisiert. Das heißt, man kann den Entstehungszeitraum dieser Premblechner-Karte zwischen den Jahren 1735 und 1739 eigentlich sehr eng einordnen. Das passt auch sehr gut zusammen, wenn man sich in den Tauf- und Sterbebüchern der Pfarre Hallstatt nach dieser Familie Premblechner oder nach diesem Jakob-Anton-Premblechner sieht. Da gibt es einen Jakob Premblechner mit Geburtstag 17.01.1698 und das passt auch wieder sehr gut, weil dann war er zum Zeitpunkt der Anfertigung der Karte gute 30, fast 40 Jahre alt und das würde auch wieder sehr gut passen. Von Jakob Anton Premblechner findet sich ein weiterer Eintrag, wo er noch als Prokurator bezeichnet wird. Also er dürfte im Ort eine gehobene Stellung besessen haben, wobei die Familie Premblechner der Oberen Mittelschicht angehört. Es gibt aus der Familie Premblechner keine Bergmeister, aber es waren Erbeisenhäuer, Berggeschworene, also die gut in diesem Salinenwesen verankerte Oberschicht. Und das, denke ich, passt natürlich sehr gut zu einer Person, die dann diesen Plan verfasst hat. Die Familie Premblechner, auch das trägt er mit Stolz auf der Karte ein: Es gibt ein Familienstammhaus im Echerntal, das ist das sogenannte Steinhaus, von dem stammt diese Familie Premblechner ab. Und es gibt auch im Markt ein Haus, das er als sein eigenes Wohnhaus bezeichnet. Das ist auf dem Weg, wenn man vom Marktplatz über die Gemeindestiege zum Kirchenweg geht, das sogenannte Bojanovski-Haus am Fuß der Gemeindestiege.
Sehr interessant, denke ich, ist auch die Provenienz. Also wie ist diese Karte von Hallstatt in die Albertina gekommen?
Und da denke ich, spielt schon die rechtliche Sonderstellung des Salzkammerguts eine wichtige Rolle. Die Habsburger waren ja nicht nur die Landesherren in Hallstatt, sondern sie waren auch die Grundherren. Sie waren die Herren der Herrschaft Wildenstein und haben quasi auf dieser unteren Ebene der Grundherrschaft Hallstatt besessen und natürlich auch entsprechend wirtschaftlich ausbeuten können. Aufgrund dieser rechtlichen Sonderstellung und des Umstandes, dass diese Herrschaft Wildenstein schon seit Ende 15., Beginn 16. Jahrhundert von Wien aus, von der Niederösterreichischen Hofkammer verwaltet wurde. Das erforderte natürlich ein entsprechendes Berichtswesen. Es gibt in Wien im sogenannten Hofkammerarchiv einen umfangreichen Aktenbestand, der aus Berichten, Anfragen besteht, die von Hallstatt nach Wien gegangen sind. Zu diesen Akten gibt es immer wieder Pläne. Man ist dann im Hofkammerarchiv darangegangen, von den schriftlichen Akten die Pläne zu separieren und in einer eigenen Karten- und Pläne-Sammlung abzulegen. Die hat auch über 30.000 Stück, also das ist ein sehr, sehr umfangreicher Bestand.
Es ist, denke ich, schon naheliegend, als dann Prinz Albert, also der Gründer der Alberina, das war ja ein Schwiegersohn von Maria-Therese und Franz-Stefan von Lothringen, also auch wieder Teil der Familie Habsburg, dass die natürlich in andere quasi familieneigenen Archiven suchen ließen oder gesucht haben. Was gibt es da an interessanten Plänen, an interessanten Darstellungen? Und das ist für mich wohl die plausibelste Erklärung. Es gibt keine schriftlichen Unterlagen dazu, das ist eine Vermutung, das ist eine Hypothese, wie dieser Plan von Hallstatt in die Albertina gekommen ist und wie bedeutend der Plan ist, kann man, denke ich, auch damit illustrieren: Wenn Sie sich diese Ausstellung Faszination Papier, die bis 22. März 2026 in der Albertina läuft, ansehen, dann hängt die Premblechner-Karte von Hallstatt sehr prominent gegenüber einem nahezu zeitgleich entstandenen Stadtplan von Paris. Und in beiden Karten wird dieselbe Darstellungstechnik angewandt, die sogenannte Axonometrie. Das war zu dieser Zeit die modernste Darstellungstheorie. Das war so wie jetzt 2026 AI. Das war absolut auf der Spitze der Zeit. Die Axonometrie oder auch Militärriss genannt, funktioniert so, dass man aus einem Grundriss ein anschauliches Bild entwickelt, das einen dreidimensionalen Eindruck vermittelt. Und dieses geometrische Verfahren, das wurde eigentlich zeitgleich für den Stadtplan von Paris und für den Plan von Hallstatt angewandt. Also die Vermessungsingenieure, die Markscheider des Hallstätter Salzbergs der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren technisch auf demselben Level wie die Vermessungsingenieure des damaligen, wohl eines der Weltzentren Paris. Das denke ich, das ist schon ein Augenöffner zu sehen, wie weit man oder wie modern man damals in Hallstatt war. Die Bedeutung dieser Premblechnerkarte besteht für mich vor allen Dingen darin, dass über den Gebäudebestand in Hallstatt vor dem Marktbrand unglaublich viel, sowohl bildliche als schriftliche Informationen vorhanden sind und auch in einer Detailtreue. Es gibt ja immer wieder Details, wie zum Beispiel der Durchgang bei der Fleischbank in Richtung Mühlbach. Der ist genauso dargestellt, wie er heute ist. Oder der Stiegenaufgang bei der Michaelikirche. Eins zu eins bis hin zum Christophorus-Gemälde am Persbyterium der katholischen Kirche. Und die Details, die noch vorhanden sind, sind mit einer solchen Genauigkeit dargestellt, dass natürlich davon auszugehen ist, dass auch die Dinge, die heute nicht mehr existieren, ähnlich genau dargestellt sind.
Und ich habe jetzt vor in den nächsten Episoden dieses Podcasts, bestimmte Schlaglichter zu werfen, bestimmte Teile dieser Premblechnerkarte näher zu beleuchten und ich lade Sie sehr herzlich dazu ein, mich auf dieser Zeitreise zu begleiten.