Welterbe Hallstatt

Welterbe Hallstatt

Kulturelles Erbe im Salzkammergut

Transkript

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Die Karte von Premblechner stellt wohl ein einzigartiges Fundstück dar, das im Archiv der Graphischen Sammlung Albertina aufgetaucht ist und das den baulichen Zustand von Hallstatt in den 1730er Jahren zeigt. Ich habe über diese Karte schon eine Episode gestaltet. Ich werde es in den Shownotes verlinken. Dort finden Sie grundlegende Informationen zu diesem Dokument.

Heute geht es um das alte Hofhaus. Das ist in der Premblechner Karte mit der Nummer 103 dargestellt und dieses Gebäude stand zwischen dem Gemeindeamt und dem Sportgeschäft Janu. Dort, wo zwischen diesen beiden Gebäuden eine unbebaute Fläche vorhanden ist, auf der ein Geschäftskiosk, ein zeltartiger Verkaufsstand eingerichtet ist, dort stand bis zum Marktbrand von 1750 das Hofhaus. Und dieses Hofhaus gibt ja noch diesem kleinen Teil des Marktes den Namen „Am Hof“. Das ist tatsächlich ein Hinweis auf eine königliche Residenz. Dieses Gebäude ist, denke ich, ein sehr früher Teil. Das ist wirklich ein Teil der Bebauung von Hallstatt, die bei der Marktgründung 1311 bereits erfolgt ist. Wenn wir zum Beispiel ins erste Reformationslibell schauen, dort gibt es auch schon Hinweise auf dieses Hofhaus und dass es schon sehr baufällig ist. Und das erste Reformationslibell entstand 1526. Das heißt, dass damals das Gebäude schon baufällig war, ist natürlich ein starkes Indiz dafür, für sein hohes Alter.

Es gibt auch aus sekundären Quellen in Schraml in der Geschichte des Salinenwesens auch den Hinweis, dass 1718 umfangreiche Reparaturen an diesem Hofhaus durchgeführt waren, dass es wieder einzustürzen drohte. Man zog Schließen ein, um die Gewölbe zusammenzuhalten. Und es ist auch die Erwähnung eines besonderen Raumes, eines sogenannten Tiernitz. Dirnitz oder Dürnitz ist ein sehr altes Wort für ein beheizbares Gemach und in der Zeit im ausgehenden Mittelalter, in der frühen Neuzeit, waren diese beheizbaren Räume natürlich eine Besonderheit. Und diese besondere Raumqualität, dieses beheizbare Gemach ist natürlich auch wieder ein ganz klarer Hinweis, dass dieser Raum dieses Gebäude für hochstehende Persönlichkeiten war. Und es heißt in der Karte von Premblechner tatsächlich der Königin Elisabeth Zimmer. Also hier war ein Raum für königliche Besucher eingerichtet. Ich denke, es ist sehr interessant, diese Rolle der Königin Elisabeth näher zu beleuchten, weil sie eine ganz entscheidende Persönlichkeit war, die die Entwicklung Hallstatt vorangetrieben hat, die die Marktgründung initiiert hat und die den Aufbau der Salzindustrie in Hallstatt in die Wege geleitet hat.

Und da gilt es vielleicht doch noch einmal 50 Jahre zurückzugehen, also in die Mitte oder in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. Und da gibt es in Europa diese schwierige Situation, dass das mächtige Königs- bzw. Kaisergeschlecht der Staufer ausgestorben war, das nach den Staufern eine herrscherlose Zeit, ein Interregnum bestand. Und die Reichsfürsten des Heiligen Römischen Reiches, der deutsche Nation, konnten sich lang nicht auf einen König einigen und vielleicht auch hier diese Unterscheidung Kaiser-König, also es ist ja oft vom römisch-deutschen Kaiser die Rede, aber eben auch vom König. Wenn Sie zum Beispiel den Fußweg, die Wank vom Markt zum Rudolfsturm hinaufgehen, da sehen Sie ja den sogenannten geschriebenen Stein, über den gibt es auch eine Episode dieses Podcasts, einen geschriebenen Stein, da ist eben Der Text: „Hier hat gerast, der römisch König Maximilian, als er gegangen ist, die Salzbergen zu besehen.“ Also auch hier wird Maximilian I. nicht als Kaiser bezeichnet, sondern als König. Und die Unterscheidung besteht darin, dass ja zwischen der Wahl durch die Kurfürsten, also die Kurfürsten des Reiches, wählten den nächsten König, der auch diesen Titel Rex, also König, trug. Das hat sich auch geändert, das ging von Rex Romanum, dann später auch Rex Germanorum. Also dieser römisch-deutsche Kaiser, man muss hier einfach unterscheiden, einerseits zwischen den altrömischen Königen, also wirklich aus der ganz frühen Zeit des Römerreichs, das sind eben die wirklich römischen Könige, auf Rom bezogen. Und dann gibt es eben die deutschen Kaiser, die sind die in dem deutschen Kaiserreich nach 1871 und dazwischen dieses Reich, das mit Karl dem Großen begann und Kaiser Franz endete, also wirklich über 1000 Jahre währte, das sind die römisch-deutschen Kaiser bzw. Römisch-deutschen Könige. Das heißt, Schritt eins war die Wahl durch die Kurfürsten. Nach der Wahl war der Erwählte, war dann römisch-deutscher König. Und erst nach der Kaiserkrönung durch den Papst wurde er zum Kaiser.

Und oft gab es ja diese Streitigkeit, zum Beispiel Maximilian schaffte es einfach nicht, durch die ihm feinselig gesonnenen oberitalienischen Fürstentümer durchzukommen. Also der gelangte körperlich nicht nach Rom, um zum Kaiser gekrönt zu werden. Das erfolgte dann erst deutlich später und darum war ihm zum Beispiel auch Maximilian so lange, so viele Jahre unter Anführungszeichen nur König und nicht Kaiser. Und ähnlich ist auch, und das versuche ich dann im Folgenden auch noch zu erklären, ist es mit dem Königtum, mit der Königswürde von Elisabeth bestellt. Also zurück noch einmal in die Mitte des 13. Jahrhunderts. Das Herrschergeschlechter Staufer stirbt aus. Es ist ein Interregnum. Die Reichsfürsten können sich nicht einigen. Sie sind gleich stark. Es gibt quasi ein Gleichgewicht der Kräfte. Keiner will dem anderen die Königswürde, will den anderen zum König wählen, sodass es sehr lange dauert. Und man einigt sich dann eigentlich auf eine sehr schwache Person, auf einen Schweizer Regionalfürsten Rudolf von Habsburg. Und man hat eigentlich nicht damit gerecht, man hat sich eher auf eine möglichst schwache, wenig einflussreiche Person geeinigt, um hier „von hinten“ hinein regieren zu können, dass sich dann die Geschichte ganz anders entwickelt hat, konnten diese Reichsfürsten natürlich nicht wissen.

Dieser Rudolf I. von Habsburg gilt ja so als der wirkliche Begründer dieser habsburgischen Hausmacht. Und es gelingt ihm einerseits der militärische Erfolg gegen den Erzrivalen Ottokar Přemysl von Böhmen, Schlacht im Marchfeld in den 1270er Jahren und damit eroberte das, was später diese habsburgischen Erblande werden, Niederösterreich, wo eben auch unser heutiges Oberösterreich, das Land Ob der Enns, dabei waren. Die Steiermark, Kärnten hat er nicht besessen und aus diesem Kern, aus diesem Nukleus bildet sich dann im Lauf der Jahrhunderte dieses Habsburgerreich.

Mit dieser Eroberung dieser Kernlande, die ja ursprünglich babenbergisch war, damit übernimmt Rudolf auch das Wappen der Babenberger, diesen Bindenschild, das ist ja diese Legende mit der Schlacht, wo durch eine Binde, die ein Ritter um den Körper trug, in der Körpermitte das Blut abgehalten wurde. Und nachdem er dann diese Binde abnahm, war er eben rot-weiß-rot. Das ist letztlich die Wurzel auch immer noch unserer Nationalfahne.

In dieser Situation, wo eben Rudolf I. Beginnt, seine Macht auszubauen, sucht er Koalitionen mit etwa gleich starken Regionalfürsten. Und einer dieser Regionalherrscher ist der Herzog Meinhard von Görz-Tirol und dieser Meinhard besaß aber auch Kärnten. Das heißt, es war hier und da beginnt schon diese habsburgische Heiratspolitik, dieses „Tu Felix, Austria Nube“, Du glückliches Österreich heirate.

Rudolf I. und Meinhard vereinbaren eine Ehe ihrer Kinder. Das ist einerseits Rudolfs erstgeborener Sohn Albrecht, der nach seinem Großvater benannt ist, und die Tochter Meinhards. Und jetzt kommen sie ins Spiel, unsere Elisabeth. Die beiden werden einander versprochen, da wird eine Ehe vereinbart. Die Mutter Elisabeths stammt wiederum aus dem bayerischen Herrscherhaus der Wittelsbacher, also auch hier wieder der Versuch mit diesen Regionalmächten eine Allianz, ein Gleichgewicht zu schaffen. Und nachdem dann diese Ehe geschlossen wurde, entsteht diese Koalition zwischen einerseits Görz-Tirol und Kärnten und den habsburgischen Erblanden Niederösterreich-Steiermark.

In dieser letztlich frühen Form der Dynastiebildung, da beginnen ja erst diese Dynastien der frühen Neuzeit sich zu bilden, geben sich diese Familien sogenannte Hausordnungen. Mir gefällt ja das Wort Hausordnung; Hausordnungen sehen ja wir auch, wenn wir in irgendwelche Gebäude gehen, dass man nicht mit Straßenschuhen das Gebäude betreten soll.

Also diese Hausordnungen hatten ursprünglich eine ganz andere Bedeutung. Da ging es eben um das Haus, um die Familie, die ganz spezielle Bestimmungen enthielten, wie die Regelungen vor allen Dingen auch in der Erbfolge innerhalb dieser dynastischen Familien zu geschehen hatten. Und das ging so weit bei den Habsburgern, als nach der 1848er Revolution eben dieses Reichsgrundgesetz erlassen wurde, galt dieses Reichsgrundgesetz für alle Untertanen des Reiches, außer für die Mitglieder des Hauses Habsburg. Die waren tatsächlich, hatten nicht die verfassungsmäßig verbrieften Rechte, sondern die waren dieser Habsburgischen Hausordnung, die natürlich auf der Jahrhunderte immer wieder geändert wurde, unterworfen und konnten nicht die verfassungsmäßig eigentlich garantierten Rechte genießen. Das war letztlich eine Familiendiktatur, mit der der Kaiser, in dem Fall Kaiser Franz Josef, über sein Haus, über seine Familie herrschte und dass es dazu kam, dass es eben nur einen herrschte, das geht eben wirklich so weit zurück in die Zeit Rudolf I. Von Habsburg und der hatte dann noch einen zweiten Sohn, Rudolf II. Rudolf I. von Habsburg, wollte diese Erbfolge regeln und es gab eine erste Hausordnung und diese sogenannte Rheinfelder Hausordnung, die sah noch eine gemeinschaftliche Herrschaft vor. Also nach dem Tod Rudolfs I. herrschten seine beiden Söhne. Albrecht und Rudolf regierten gemeinsam und das funktionierte aber in der Praxis nicht gut und da gab es auch von den Reichsfürsten sehr früh Unmut und es wurde diese Hausordnung geändert und dann wurde diese erste Hausordnung geändert und dann kommt das erste Mal das sogenannte Primogeniturrecht. Also Primogeniturrecht ist, dass der erste Sohn, der erstgeborene Sohn, der älteste Sohn die höchste Macht erbt. Das man natürlich auch wieder versucht und das kann man dann im Lauf der Entwicklung des Hauses Habsburg mit den verschiedenen Erbteilungen. Das heißt, die Lande werden dann schon auch wieder aufgeteilt, aber es wird so aufgeteilt: Der älteste Sohn bekommt die meiste Macht, aber es wird versucht, das Erbe nicht zu sehr zersplittert zu lassen. Natürlich gab es durch diese Änderung großen Unmut, weil natürlich der Bruder von Albrecht, Rudolf II., und vor allen Dingen dessen Sohn, der dann nach dem Tod des Vaters quasi die Rechte des Vaters und die Mitregentschaft wieder erreichen wollte, äußerst unzufrieden war und der hat dann in relativ brutaler Konsequenz seinen Onkel Albrecht ermordet. Nach der Ermordung Albrechts kommt jetzt seine oder quasi unsere Elisabeth ins Spiel. Bei der Krönung von Albrecht zum römisch-deutschen König wurde auch Elisabeth zur römisch-deutschen Königin gekrönt. Und wir wissen aus vielen zeitgenössischen Dokumenten, dass Elisabeth ein besonderes politisches Talent besaß. vielleicht - oder es relativ sicher - deutlich höher als viele ihrer herrschenden Zeitgenossen. Aus diesem Grund wurde sie schon zu Lebzeiten von ihrem Mann Albrecht, also bevor er ermordet wurde, bereits als Stadthalterin eingesetzt. Sie hatte dann, nachdem sie zur Königin gekrönt wurde, natürlich auch die entsprechende Position, um zwischen den Reichsfürsten zu vermitteln. Aber sie hatte auch eine entsprechende persönliche Macht und das war das Salzkammergut. Sie hat bei ihrer Eheschließung von ihrem Mann das Salzkammergut, also das was wir jetzt als das Kerngebiet des Salzkammerguts kennen, also Lauffen, Hallstatt, Gmunden, das war ihr persönliches Eigentum, das war ihre Morgengabe über das Ausseerland, herrschte sie dann quasi mit Hilfe ihrer Söhne. Aber hier, war ja klar, hier musste sie ihre persönliche Machtstellung aufbauen und sie war dann diejenige, die dann 1311 mit der Marktgründung Hallstatt, mit der Vergabe von Privilegien an Bürger, die das jetzt sich auch finanziert haben, hat sie diese Salzindustrie aufgebaut und für sich die entsprechende Machtbasis, wirtschaftliche Basis geschaffen. Und nachdem ihr Mann Albrecht ermordet worden war, sie besaß zu diesem Zeitpunkt das politische Talent, sie besaß die Verbindungen und sie besaß mit Hallstatt und dem Salzkammergut auch entsprechende persönliche Finanzmittel um wirklich als Königin zu herrschen.

Also sie war jetzt nicht eine Königin, die halt diesen Titel trägt und außer Titel nicht viel dahinter ist, sondern sie war wirklich eine Herrscherin, die ihre Herrschaft aus eigenem Können, aus eigener Kompetenz, aber auch mit ihren eigenen Machtmitteln ausübt. Und das, denke ich, bildet sich noch so schön in der Karte Premblechners ab. Elisabeth ist 1313 gestorben und 400 Jahre später, als Premblechner seine Karte zeichnet, ist immer noch diese Erinnerung an diese starke Herrscherin, sodass das alte Hofhaus nicht als Hofhaus bezeichnet wird, sondern wirklich als die „Zimmer der Königin Elisabeth.“

Über diesen Podcast

Das Welterbegebiet Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut ist eine einzigartige Kulturlandschaft mit einem reichen kulturellen Erbe. Mein Name ist Friedrich Idam und ich stelle ihnen in jeder Episode eine neuen Aspekt unseres Welterbes vor. Dieser Podcast wird von Welterbe - Management Hallstatt unterstützt.

Ab Folge 153 ist für jede Episode ein redaktionell bearbeitetes Transskript hochgeladen.

Feed-URL
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von und mit Friedrich Idam, Gestaltung: Reinhard Pilz

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