Welterbe Hallstatt

Welterbe Hallstatt

Kulturelles Erbe im Salzkammergut

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Über die Karte von Premblechner, welche 2025 im Archiv der Grafischen Sammlung Albertina in Wien wiederentdeckt worden ist, diese Karte von Premblechner, die Hallstatt, den baulichen Zustand von Hallstatt etwa um die Zeit von 1732, 1735 zeigt, Auf dieser Karte von Premblechner ist auch ein Gebäude sehr detailliert dargestellt, über das wir heute sehr wenig wissen und bei dem es mir persönlich sehr leid tut, dass es beim Marktbrand von 1750 ebenfalls abgebrannt ist.

Im Bereich des Hofes stand auch eine Kapelle, die Hofkapelle.

Vielleicht auch zu dieser Terminologie Amhof, ein kleiner Teil des Ortszentrums von Hallstatt, der Ortschaft Markt, heißt Amhof. Ich denke, natürlich ist das ein Hinweis auf das alte Hofhaus, auf die alte Hofkapelle. Natürlich ist das ein Hinweis auf diesen königlichen Hof der Königin Elisabeth und über die Königin Elisabeth, ihre Zimmer in Hallstatt, über die Gründung des Marktes habe ich ja eine Episode dieses Podcasts gestaltet. Ich werde in die Shownotes sowohl Links zu dieser Episode über die Königin Elisabeth stellen, aber auch zu der Episode, wo ich grundsätzliche Informationen zu dieser Karte von Premblechner zusammengefasst habe.

Es gibt ein Inventar von 1526, das sogenannte Weichselpamer-Inventar. Dieses Inventar liegt im Hofkammerarchiv zu Wien und in diesem Inventar wird das alte Hofhaus als Amthof bezeichnet. Also so, wie es dann später auch zum Beispiel auf der Karte von Premblechner, als das Amtshaus weitergeführt wird und auch hier, wir verwenden ja noch aktuell für das Amtsgebäude in der Lahn auch noch die Bezeichnung Amtshaus.

Ich denke, es ist zumindest eine Möglichkeit, dass dieses alte Wort, das für den Beginn des 16. Jahrhunderts belegt ist, Amthof, sich dann zu der heutigen Flurbezeichnung „Am Hof“ verschliffen hat. Also, dass man dieses Amthof irgendwann einmal ungenau ausgesprochen hat Und irgendwer, der dann im späten 19., frühen 20. Jahrhundert diese Flurbezeichnungen aufgeschrieben hat, hat dann das Wort eigentlich nicht mehr so verstanden, wie es ursprünglich gemeint war. Das zeichnet sich zum Beispiel für mich auch sehr deutlich für den nördlichen Bereich des Marktes ab.

Der heißt ja „Im Tremischen“. Im Dialekt spricht man ja vor dem R sehr deutlich ein T, also nicht Remischen, sondern Tremischen. Und dieses „Im Tremischen“ heißt aber offiziell auf Straßenschildern in geschriebenen Flurbezeichnungen „Im Römischen“. Und da hat vielleicht dann auch irgendwer dieses Tremischen nicht mehr verstanden und hat daraus ein Wort mit einer völlig anderen Bedeutung gemacht.

Man spricht übrigens in der Sprachwissenschaft von einem sogenannten Malapropismus – also eine Verballhornung ist, wenn man das Wort verändert, aber es in seinem ursprünglichen Sinn zumindest ansatzweise erhalten bleibt. Wenn man den ursprünglichen Sinn aber völlig verändert und das nicht weiß, also quasi aus Dummheit verändert (jetzt hart formuliert), heißt das ein sogenannter Malapropismus.

Und ich glaube, diese Bezeichnung ‚Im Römischen‘ für den Tremischen, das ist ein Malapropismus, denn dieses die Wortwurzel ‚Trem‘ ist eine sehr alte slawische Wortwurzel und bedeutet so viel wie Eingangssituation, Vorhalle, enge, hohe Stelle. Und das sind ja alles Zuschreibungen, die genau aufs Tremische zutreffen. Dieser Zugang von Norden zum Ort her, er ist eng, er ist hoch und es ist für mich durchaus plausibel, dass diese uralte slawische Wortwurzel aus der Zeit, als einerseits Alpenslawen von Süden und Bajuwaren von Norden in unser Gebiet eingedrungen sind, sich hier diese Völker sprachlich verzahnt haben, dass hier dieses alte alpenslawische ‚Trem‘ übrig geblieben ist.

Aber jetzt wieder zurück zum Amthof, oder wie es heute geschrieben wird, ‚Am Hof‘, wo eben diese Hofkapelle steht. In der Literatur finden wir relativ wenig über diese Hofkapelle. Also zum Beispiel, wenn ich ins Reformationslibell hineinschaue – im zweiten Reformationslibell, da steht drinnen einerseits die Besoldung des Kaplans für diese Hofkapelle und es steht drinnen, dass vonseiten des Hofschreiberamtes Wachs zur Verfügung gestellt wird. Ich habe ja eine Episode über das Unschlitt, über dieses Inslitt, über diese Talglichter gestaltet, auch hier eine Verlinkung in den Shownotes. Und dass das Wachs etwas sehr, sehr Wertvolles war und für diese Hofkapelle, da gab’s offenkundig einen Wachsbezug für ein ewiges Licht. Also da steht im Reformationslibell tatsächlich drin, dass dieses Licht stetig brennen sollte. Und ich kann mir gut vorstellen (das ist natürlich eine Vermutung), dass das für die Stifterin dieser Hofkapelle, für die Königin Elisabeth, dann noch Jahrhunderte später immer noch dieses ewige Licht für ihr Seelenheil laufend, dauernd brannte.

Das ist eine Quelle, die wir finden. Dann wissen wir auch noch aus den Reformationslibellen, dass dieser Kaplan, der in der Hofkapelle tätig war, auch im Spital tätig war. Und später dann, im 18. Jahrhundert – aus Sekundärquellen (Schraml 1932) –, dass dieser Hofkaplan dann seine Wohnung im Benefizium nahm und dass die Funktionen, die ursprünglich in der Hofkapelle stattgefunden haben (da ging’s natürlich auch um die Gottesdienste für die hohen Salinenbeamten), die wurden dann in der Kalvarienbergkirche durchgeführt. Also die Funktionen der Hofkapelle wanderten dann in die Kalvarienbergkirche. Das ist auch sehr gut in einer anderen Primärquelle, in dem Bericht des Hofrat Quiex über den Brand von Hallstatt von 1751, ist auch diese Verlegung sehr gut dokumentiert. Aber diese Hofkapelle selbst, und das ist das Spannende, denke ich, von dieser Hofkapelle ist tatsächlich noch ein gar nicht so kleiner, materieller Rest übrig geblieben, der allerdings nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist. Es ist die Südfassade des Hauses am Hof 111. Dieses Haus hat eine Südfassade, und diese Südfassade, das ist die alte Nordwand der Hofkapelle. Wenn man sich diese Südfassade genau anschaut, so ragt die leicht U-förmig nach außen. Also es ist diese Fassade umgedreht, also ursprünglich Nordfassade der Hofkapelle, heute Südfassade des Hauses am Hof 111. Das heißt, diese Wand, welche früher Innenwand war, ist jetzt Außenwand und was früher Außenwand war, ist jetzt Innenwand. Und es ist eben nicht nur diese Wand, sondern es ragen auch noch die Wandansätze, sowohl der Ostwand als auch der Westwand, der Hofkapelle, die ragen noch ein kleines Stückchen Richtung Süden. Also es ist auch dieses Eck, es ist die Ostfassade des Gemeindeamts.

Also wenn man vom Büro des Amtsleiters hinaus sieht, leicht Richtung Norden schaut, dann sieht man auch hier noch diese Wand und diesen ganz kleinen Teil der Westwand, der hier noch ein bisschen herausreicht. Also dieser materielle Rest ist vorhanden, der hat offenkundig den Brand überstanden und ist dann bei der Wiederbebauung des Marktes einfach weiterverwendet worden.

Was wir auch noch aus den Quellen wissen, 1718, als eben einerseits eine Erneuerung des alten Hofhauses stattfand, weil es eben schon so baufällig war, zu der Zeit, 1718, fand auch eine Erneuerung der Hofkapelle statt. In den Sekundärquelle (Schraml, das österreichische Salinenwesen 1932), steht wörtlich drinnen „die uralte Hofkapelle“. Also auch das ein Hinweis, dass es sich hier wirklich um einen Baubestand handelt, der aus der Gründungsphase des Marktes, also aus dem frühen 14. Jahrhundert stammt.

Auf der Karte Premblechners ist das Auffällige an dieser Hofkapelle ihre große Höhe. Es ist ein Baukörper mit einem relativ kleinen Grundriss, also ein Baukörper, der deutlich höher ist als die Länge seines Grundrisses, als die Längsachse. Auffällig ist auch, dass diese Kirche nicht orientiert ist. Bei christlichen Kirchen ist ja die Regel die Ost-West-Ausrichtung, also dass der Altar im Osten steht, also dieser Hinweis auf Jesus; „Ex Oriente Lux“ aus dem Osten kommt das Licht. Das ist diese Ausrichtung nach Osten, Osten, der Orient, also die Orientierung, die richtige Richtung der Kirche. Das ist diese Ost-West-Ausrichtung. Diese Hofkapelle, die hat aber eindeutig eine Nord-Süd-Ausrichtung, also eine Längsachse, die von Norden nach Süden verläuft.

Die Ursache für die sicher ungewöhnliche Ausrichtung des Grundrisses der Hofkapelle in Nord-Süd-Richtung anstatt der üblichen Ost-West-Richtung liegt meiner Vermutung nach in der geringen Tragfähigkeit des Baugrunds im Bereich des Ufer des Hallstättersees. In diesen Uferbereichen muss ja der Baugrund durch Pfahlgründungen gesichert werden und wenn man jetzt die Hofkapelle in ihrer Längsrichtung noch weiter Richtung See errichtet hätte, dort wo der Grund immer weniger Tragfähigkeit besitzt, denke ich, hat man damals schon die Problematik gesehen und aus diesem Grund den Grundriss der Hofkapelle um 90 Grad gedreht. Dieses Phänomen sieht man übrigens auch bei der evangelischen Christuskirche, die Jahrhunderte später, der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. Auch hier ist die Längsachse nicht Ost-West, sondern auch Nord-Süd, weil auch dort ähnlich schwierige Gründungsverhältnisse im Uferbereich des Hallstättersees vorliegen.

Der Habitus der Hofkapelle; aus ihrer Gestalt kann man auch sehr klar den Grundriss erkennen, ein typischer Kapellengrundriss, wie man ihn zum Beispiel auch bei der Spitalskirche St. Jakob in Gmunden sieht. Es ist dieser 3-Achtel-Chor-Schluss, das heißt im Bereich des Chores dort, wo vermutlich der Altar gestanden hat, baut sich der Grundriss auf drei Seiten eines Achtecks auf und die beiden weiteren Seiten sind natürlich dann schon jeweils Teil der West- bzw. der Ostwand dieser Kirche. Das ist eine ganz typische Erscheinung für gotische Kirchen und genau in diesem Chorschluss und auch an der Ostwand, die von Premblechner dargestellt ist, sehen wir sehr hohe, schlanke Fenster mit typischen spitzbögigen Abschlüssen. Also hier eindeutig die Gotik, diese Fenster. Hofkapelle ist im gotischen Stil gebaut und im nördlichen Bereich, also in dem Bereich, wo noch diese Wandscheibe erhalten ist, ist an der Ostwand eine große Wandfläche, die nur im höheren Bereich des Gebäudes ein rundes Fenster, ein sogenanntes Oculus besitzt. Und ich schließe daraus, dass es im rückwärtigen Bereich eine Empore gab. Das ist ja ein typischer Bauteil bei diesen Kirchen. Und diese Empore nehme ich an, die war von den Zimmern der Königin Elisabeth aus direkt begehbar, dass also wenn hoher Besuch im Hofhaus weilte, dass sich die nicht ebenerdig und das gemeine Volk begeben mussten, sondern im Oberstock einen direkten Zugang zu dieser Empore hatten, wo sie dann von oben den Gottesdienst verfolgen konnten. Auch das Dach dieser Hofkapelle ist ganz typisch in der Gotik, sehr steil, also ein Winkel von zumindest 60 Grad, vielleicht sogar mehr. Und auch hier wieder der Turm ist ganz ähnlich wie bei der Spitalskirche, über die ich ja auch schon eine Episode gestaltet habe, ist ein sogenannter Giebelreiter. Also das ist ein Türmchen, das im Bereich des Giebels, in dem Fall wurde dieser Giebel von der Nordseite gebildet, sitzt ein im Grundriss achteckiger Turm, aber im Gegensatz zur Spitalkirche, Altkirche, wo ja noch der alte, spitze, gotische Turmhelm von Premblechner dargestellt ist, zeigt der Turm der Hofkapelle einen barocken Zwiebelhelm. Und da gehe ich davon aus, dass bei diesen Baumaßnahmen 1718, als Schließen eingezogen wurden, um das Gewölbe zu sichern, dass man da den alten gotischen Turmhelm abgetragen hat und einen Turmhelm, einen Zwiebelhelm im Stil der Zeit auf dieses gotische Giebelreiter-Türmchen aufgesetzt hat. Und da bildet sich für mich schon sehr gut ab, wie die Moden in der Architektur wechseln.

Und da will ich auch in einigen zukünftigen Episoden drauf eingehen, weil da ist die Karte von Premblechner, wirklich ein wunderbares Dokument, wo man Gebäude in den verschiedensten Stilen sieht. Man sieht eben Gebäude, die noch in sehr altem Stil gebaut sind, sehr alt anmuten, aber man sieht genauso Gebäude mit den damals modernen Architekturelementen. Und eines dieser in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts modernen Architekturelemente war dieser Zwiebelhelm auf dem Turm der Alten Hofkapelle.

Über diesen Podcast

Das Welterbegebiet Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut ist eine einzigartige Kulturlandschaft mit einem reichen kulturellen Erbe. Mein Name ist Friedrich Idam und ich stelle ihnen in jeder Episode eine neuen Aspekt unseres Welterbes vor. Dieser Podcast wird von Welterbe - Management Hallstatt unterstützt.

Ab Folge 153 ist für jede Episode ein redaktionell bearbeitetes Transskript hochgeladen.

Feed-URL
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von und mit Friedrich Idam, Gestaltung: Reinhard Pilz

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