Welterbe Hallstatt

Welterbe Hallstatt

Kulturelles Erbe im Salzkammergut

Transkript

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Der in der grafischen Sammlung Albertina zu Wien wiederentdeckten Karte von Premblechner habe ich schon einige Episoden dieses Podcasts gewidmet.

Ich stelle in die Show Notes Links zu diesen Episoden, damit Sie, wenn Sie das Thema tiefer interessiert, sich auch noch zusätzliche Informationen zu dieser Karte anhören können. Die Karte ist, denke ich, eine faszinierende Momentaufnahme des baulichen Zustands von Hallstatt in den 1730er Jahren mit einer unglaublichen Präzision und Detailtreue, aber sie ist darüber hinaus wirklich auch ein Spiegel des Denkens dieser Zeit. Es gibt ja zu der Darstellung der Häuser, es ist ja jedes Haus, jedes Objekt nummeriert und dazu gibt es auf der Karte eine umfassende Planlegende, die die Eigentümer und die Funktion dieser Gebäude beschreibt. Gemeinsam mit Johann Unterberger habe ich diese Legende, diese Planlegende transkribiert, analysiert und auch Bezüge zum aktuellen baulichen Bestand herstellen können. Und in dieser Legende sind auch explizit Sommerhäuser genannt. Also die Größeren heißen Sommerhäuser, also die Häuser der Salzfertige, der Oberschicht.

Und bei dem des Hofschmieds heißt er nur noch sein Sommerhäusl. Für mich ist es sehr spannend, wie sich in diesen Sommerhäusern das Denken der Epoche abbildet. Das frühe 18. Jahrhundert ist ja das Zeitalter der Aufklärung, die Age of Enlightenment. Und hier kommt ein neues philosophisches Denken. Es ist die Rückbesinnung zur Natur. Da gibt es einmal in England zwei Denker – Philosophen: Einmal Shaftesbury, der aus der Oberschicht kommt und John Locke, die sahen in der Natur quasi einen Spiegel Gottes. Hier änderte sich die Wahrnehmung der Natur: nicht mehr als chaotisch Ungeordnetes, gegen das der Mensch ankämpfen muss, sondern als Spiegel der Göttlichkeit. Und aus dieser Neubewertung der Natur entsteht natürlich das Bestreben, mit der Natur in Kontakt zu kommen und das ist natürlich im Sommer angenehmer als im Winter und die Oberschicht beginnt eben Lustschlösser zu bauen, wo man sich im Sommer aufs Land begibt, ganz klassisch der Prototyp, das Schloss Versailles.

Aber das wurde ja in ganz Europa nachgeahmt. Zum Beispiel Schönbrunn, das war das Sommerschloss, das war die Sommerresidenz und in der Stadt in Wien, die Hofburg war der Wintersitz. Und dieses Verhalten der Oberschicht, diese zwei Wohnsitze, diese Sommerwohnsitze, das ist in Hallstatt in den 1730er Jahren in den Sommerhäusern auch ersichtlich. Und das sind natürlich auch die Sommerhäuser der Oberschicht. Und da gibt es den größten, umfangreichsten Komplex dieser Sommerhäuser, der gehört einem Salzfertiger, dem Herrn Anton Eisl und Eisl ist ja uns auch heute noch vertraut mit dem Begriff der Eislgasse. Und das Sommerhaus dieses Salzfertigers Eisl stand tatsächlich am Ende, also am hirlatzenahen Ende der Eislgasse, dort wo heute das Hallerbauernanwesend ist. Und dieses Sommerhaus, das war eigentlich ein ganzer Gebäudekomplex. Einerseits ein eingeschossiges, gemauertes Wohnhaus, ein zweigeschossiges, vermutlich Stallgebäude mit Obergeschoss, dem Heustadl und dann zwei sehr schöne, kleine, hölzerne Gebäude. Eines, das steht auf Pfählen über einem Fischteich, also das ist dieses Bächlein, das hier von den Quellen am Fuße des Hirlatz gespeist wird. Und dann, das gibt es ja auch heute noch, entlang des Benefiziumsgartens, das Hubnerangerbachl zum See fließt. Das war im Bereich des Hallerbauern, damals natürlich das Sommerhaus des Herrn Anton Eisl, also ein Fischteich und in diesem Fischteich steht auf Pfählen, auf vier Stelzen im Wasser ein Gebäude und es steht im Garten wirklich auch ein kleines Salettl-artiges Gebäude und da kommt ja dieser Begriff Salettl. Und so wie diese baulichen Vorbilder der Oberschicht wandern, so wandern natürlich auch die Bezeichnungen. Diese barocken Paläste hatten im Erdgeschoss, im Regelfall, einen großen Raum, die sogenannte Sala terrena. Das war ein Übergangsraum zwischen Innen und Außen. Und dieses Wort Sala kommt ursprünglich aus dem Lateinisch, geht dann weiter ins Italienisch und bedeutet schlicht und einfach „Raum“. Die italienische Form, das Diminutiv Saletta, die Verkleinerungsform, bedeutet kleiner Raum. Und aus diesem italienischen Diminutiv, aus dieser Verkleinerungsform, wurde bei uns im österreichisch-baierischen Sprachraum das Salettl für ein Gartenhäuschen. Und solche Salettl haben sich gehalten.

Auch ich habe mir im Garten ein solches Salettl errichtet. Und es ist wirklich eine Qualität, diese Sommer-Winter-Wanderung zu machen. Das sind natürlich bei mir im Haus nur wenige Meter, aber wir haben uns beim Salettl auch so eine Sommerküche eingerichtet. Also es gibt auch hier ein unterschiedliches Leben im Sommer und im Winter. Diese Salettl sind auch heute noch leichte Holzgebäude, nicht thermisch optimiert. Die sind im Winter einfach ungeeignet, sie sind nicht heizbar, sie besitzen heute, damals natürlich noch nicht, gläserne Fenster, sodass jetzt, ich nehme diese Episode Ende Februar, Anfang März auf, wo die Sonne schon wieder kräftig ist Und durch diese Einscheibenverglasung wird jetzt dieses Salettl während der Mitte des Tages schon so gut aufgeheizt, dass es hier schon richtig angenehm drin zu sitzen ist und es ist quasi schon so eine Vorahnung auf diesen Sommer.

Aber auf der Premblechner-Karte sehen wir neben diesem vielleicht größten Sommeranwesen des Herrn Eisl auch ein zweites Anwesen eines Salzfertigers und das ist das Sommerhäusl des Herrn Etzinger. Die Familie Etzinger, das waren jene Salzfertiger, die am Marktplatz die Dreifaltigkeitssäule gestiftet haben. Auch über die Dreifaltigkeitssäule gibt es schon eine eigene Episode dieses Podcasts. Da stelle ich auch einen Link in die Shownotes.

Dieses Etzinger Salettl, das steht dort etwa, wo heute die Volksschule von Hallstatt steht, hat einen Garten zum Waldbach hin und dieses Sommerhaus, das ist gemauert, das sieht man in der Darstellung sehr schön. Es hat Putzfaschen und eine tieferliegende sogenannte Nullebene. Auffällig, auch hier sind die Putzfaschen dunkler, die sind so in einem Blaugrau gehalten, während die Nullfläche in einem gebrochenen Weiß ist. Es hat ein sehr elegantes Walmdach mit einem schönen Schwung drin, also vermutlich schon die Konstruktion eines Sparrendachs mit einem Anschübling, sodass im Dachfußbereich dieser elegante Schwung entsteht und auch auf den sogenannten Anfallspunkten, also wo die Grate des Walms sich mit dem First verschneiden, das sind zwei, man könnte jetzt überhöht sagen, Akroterien. Also hier sitzen Zierelemente, es dürfte ein Knauf sein, ähnlich wie man es manchmal bei Turmhelmen sieht, sitzen eben an diesen Anfallspunkten zwei solche Knäufe, dass das Ganze elegant macht. Das Gebäude ist auch erhöht. Es sitzt auf einer Mauer und es führt eine Stiege hinauf. Also man sitzt etwas erhöht über dem Boden und zu diesem Gebäude, diesem Gartenhaus gibt es natürlich auch den entsprechenden Garten. Dieses erhöhte Sitzen, dieses Sitzen auf der Mauer sieht man ja auch aktuell noch sehr schön beim sogenannten Gesindestöckl, beim Benefizium. Also das sitzt an der Nordostecke der Benefiziumsmauer beim Isidor-Englplatz. Da sitzt so ein Baukörper ähnlich auf der Mauer drauf. Auf der ist übrigens auf der Karte von Premblechner auch schon dargestellt. Allerdings als Holzbaukörper, also da ist dieses Obergeschoss vertikal verbrettert. Auch hier wieder das Walmdach, ich denke ganz ähnlich wie es heute ist, aber auch hier sitzen wieder an den Anfallspunkten, also am Schnittpunkt zwischen der Firstlinie und den Graten des Walms; Dort sitzen auch wieder knaufförmige Zierelemente auf diesem Dach drauf, das diesen schon einen sehr eleganten Charakter geben. Dann gibt es, wenn man nur ein Stückchen weiter geht in der Demelgasse, dort etwa, vielleicht ein bisschen aufwärts vom Waldbach, wo der Benefiziumstadel steht. Auch dort ist ein Sommerhaus, das war dem Herrn Waldmeister, der für das Forstwesen zuständig war. Dazu der Garten, hier ist ein sehr schönes, färbiges, ein sehr symmetrisches, barockes Blumenbeet dargestellt.

Also auch hier: die Elemente der herrschenden Schicht des Adels werden von der lokalen Oberschicht in Hallstatt übernommen. Also es sind die Salzfertiger, es sind die Waldmeister.

Es gibt dann auch noch ein weiteres Gartenhaus. Das ist dort, wo jetzt das Betriebsgebäude der Saline steht. Dieses Sommerhaus steht über dem Bach. Es entspringt ja beim Fischteich des Höllbauern ein kleiner Bach, also am Fuße der Echernwand. Und dieser Bach fließt ja heute verrohrt unterhalb des Betriebsgeländes der Saline, kommt etwa im Bereich der Volksschule kurz an den Tag und mündet dann hinter der Volksschule in den Waldbach. Und über diesem Bach ist auch wiederum ein hölzernes Gebäude errichtet, also ganz ähnlich wie jenes, das ich beim Sommerhaus des Salzfertigers Eisl beschrieben habe. Und dieses Haus ist noch mit dem Namen Bachlhaus älteren Hallstädter bekannt. Das wurde im Zuge der Verlegung der Betriebsleitung der Saline vom Rudolfsturm ins Tal, im Bereich des früheren Salinenspitals in den 1950er Jahren abgebrochen.

Und der Bader, das war ja der, der einerseits als Chirurg, auch als Zahnarzt, aber eben auch als Bademeister tätig war und der hatte sein Sommerhaus über dem Bach stehen, dass er quasi in seinem Haus fließendes Wasser hatte.

Es gibt dann noch ein weiteres Sommerhaus dort, wo eigentlich heute das Südportal des Straßentunnels Hallstatt angeordnet ist. Dieses Sommerhaus ist gemauert, besitzt einen kleinen quadratischen Grundriss, also ich schätze, dass vielleicht 3x3, 4x4 Meter; recht viel größer ist es nicht. Das Sommerhaus ist in hellem Weiß dargestellt, also gemauert und hat aufgrund seines quadratischen Grundrisses auch ein Zeltdach. Und auch in diesem Sommerhaus des Herrn Pfarrer, auch dort ist wieder ein bunter, geometrisch anmutender Blumengarten dargestellt. Also auch hier wird wieder die Idee der barocken Schlossarchitektur übernommen. Auch im Tremischen, im Bereich der Gosaumühlstraße, gibt es zwei dieser Sommerhäuser schon das zu Beginn genannte, allerdings nur noch „Sommerhäusl“ des Hofschmieds, also nur noch das Häuschen, der ist natürlich in der Hierarchie nicht so hoch wie die vorgenannten, daher auch Kleiner. Also da gibt es schon eine ganz klare Rangordnung. Das steht oberhalb der Gosaumühlstraße. Das ist abgekommen, da gibt es heute nichts mehr entsprechendes.

Und ein letztes Sommerhaus, das noch angeführt ist, ist das Sommerhaus des Herrn Gegenschreiber. Der Gegenschreiber war ja der zweithöchste Verwaltungsbeamte im Bereich des Sudhauses, das war der Kontrollbeamte des Hofschreibers. Und der wohnte in der Gosaumühlstraße im sogenannten „Pfandlhaus“. Das ist jenes Haus, von dem habe ich schon einmal die Sonnenuhr an seiner Fassade besprochen habe. Auch dazu gibt es eine Episode dieses Podcasts, auch dazu in den Shownotes entsprechende Links dazu. Und das existiert heute noch. Also dieses Salettl steht tatsächlich noch im Garten des „Pfandlhauses“. Auch hier wieder der Typ quadratischer Grundriss, sehr klein, vielleicht drei mal drei Meter: ein Zeltdach drauf. Das heutige Salettl ist etwas länglicher in seiner Grundrissgestalt. Aber der Ort, der Standort dieses Sommerhäusels, dieses Salettl ist erhalten geblieben.

Über diesen Podcast

Das Welterbegebiet Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut ist eine einzigartige Kulturlandschaft mit einem reichen kulturellen Erbe. Mein Name ist Friedrich Idam und ich stelle ihnen in jeder Episode eine neuen Aspekt unseres Welterbes vor. Dieser Podcast wird von Welterbe - Management Hallstatt unterstützt.

Ab Folge 153 ist für jede Episode ein redaktionell bearbeitetes Transskript hochgeladen.

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von und mit Friedrich Idam, Gestaltung: Reinhard Pilz

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