Kulturelles Erbe im Salzkammergut
In der heutigen Episode von Welterbe Hallstatt geht es wieder einmal um die Karte von Johann Jakob [Anton] Premblechner, welche in den Jahren 1735 bis 1739 entstanden ist.
Ich habe über diese Karte ja jetzt schon einige Episoden von Welterbe Hallstatt gestaltet. Die Links zu diesen Episoden stelle ich in die Shownotes. Ich stelle in die Shownotes auch einen Link zur digitalen Sammlung der Albertina, wo man auch die Premblechnerkarte anschauen kann und so doch zumindest einen groben optischen Eindruck gewinnen kann. In der heutigen Episode möchte ich den familiären Hintergrund, die familiären Verflechtungen und ein wenig, soweit es aus den mageren Daten möglich ist, ein wenig die Biografie von Jakob Anton Premblechner besprechen. [Jakob Anton] Premblechner entstammte einer Familie, die eng mit dem Bergbau verbunden war. [Jakob Anton] Premblechner entstammte auf alle Fälle der lokalen Mittelschicht, eher sogar der lokalen Oberschicht. In Hallstatt gab es ja seit der Gründung des Orts 1311 durch die Königin Elisabeth von Görz privilegierte Stände. Das waren im Bergbau die sogenannten Erbeisenhäuerfamilien. Erbeisenhäuer, da ging es darum, zur Gründung, zur Gründungsphase von Hallstatt brauchten, die Habsburger natürlich Kapital, das sie nicht besaßen. Und dieses Kapital kam von Kaufleuten, von Außerhalb von Hallstatt, zum Teil aus der Linzer Gegend, welche ihr Geld in den neu zu schaffen, in den neu auszubauenden Bergbau investierten und dafür Privilegien bekamen. Und eines dieser Privilegien war eben das Erbeisenhäuerrecht, also Eisen, dass man mit dem sogenannten Eisen, mit dem Bergeisen, als Häuer, also unter Tage, den Vortrieb macht. Dieses Recht auf einen Arbeitsplatz, auf einen gesicherten und vererbbaren Arbeitsplatz konnte man sich durch diese Investition erkaufen. Und dazu kommt aber noch, dass man diese Arbeit ursprünglich nicht selbst verrichten musste, sondern durch sogenannte Arner ausüben lassen. Und also man kaufte sich quasi das Recht auf einen Arbeitsplatz mit einer ganz bestimmten Bezahlung und stellte dann als Subunternehmer oder ja, so wie es vielleicht manchmal auch heute ist, so als freie Dienstnehmer, stellte man dann Arner ein, die letztlich schlechter bezahlt waren und man so über Generationen hier aus dieser Investition dann ein Einkommen bezog. Aus diesen Familien, aus diesen Eisenhäuer-Familien entwickeln sich im Laufe der Zeit die privilegierten Berufsstände des Salzbergbaus. Ganz oben an der Hierarchiespitze standen der Bergmeister und der Unterbergmeister. Das entspricht im Prinzip den Betriebsleitern. In der nächsten Hierarchiestufe standen der Schaffer und der Oberschaffer und die Schaffer, das waren die Produktionsleiter. Also die waren verantwortlich, Süßwasser in die Laugwerke einzukehren, zu überprüfen, ob die Sole gesättigt ist und dann die vollgrädige Sole zur Verarbeitung aus den Laugwerken abzulassen. Also das waren die Schaffer. Und dann gab es in der nächsten Hierarchieebene die Geschworenen. Die Geschworenen wurden auch manchmal als Zuseher bezeichnet. Das entspricht dem, was heute im Berg die Meister sind. Diese Familien haben sich über die Jahrhunderte natürlich laufend untereinander verbunden. Also da wurden Allianzen geschlossen, da gab es lokale Hierarchien, da gab es lokale Eliten über Generationen. Auch die Familie Premblechner stand in diesem Geflecht drinnen. Der Vater unseres Jakob [Anton] Premblechner, der hieß Simon Premblechner und war ein Geschworener. Also der war ein Meister im Berg und der heiratete eine Katharina Königer. Der gemeinsame Sohn dieser beiden war ein Hans Jakob [Anton] Premblechner.
Der wurde am 12. Juli 1698 geboren. Sein Vater Simon Premblechner starb aber bereits 1705. Da war unser Hans [Anton] Premblechner erst sieben Jahre alt. Vielleicht auch hier die Unschärfe, er ist im Taufbucht war als Hans Jakob Premblechner eingetragen und die letzte Sicherheit, dass es sich wirklich um den Autor dieser Karte handelt, den konnten wir eigentlich erst vor wenigen Wochen wirklich festigen, wirklich sicherstellen.
Das verdanken wir dem Hinweis des Goiserer Historikers Michael Kurz, mit dem ich natürlich wo ich auch über diese Premblechner-Karte gesprochen habe. Und ich habe ihm erzählt, ja, Johann Unterberg und ich, wir konnten in Hallstatt keine Sterbedaten des [Jakob Anton] Premblechner finden. Und Michael Kurz besitzt sehr große Erfahrung mit der Suche in Familiendatenbanken, in der Familienforschung. Und er hat hier uns seine Expertise zur Verfügung gestellt, hat in einem weiteren Kreis gesucht und ist ihm im Sterbebuch der katholischen Pfarre Bad Aussee, das im Diözesanarchiv in Graz aufbewahrt wird, fündig geworden. Und da ist ihm auch wieder ein Jakob Premblechner, mit Todesdatum 19. Mai 1761 vermerkt und es steht auch dabei im 63. Lebensjahr verstorben. Und dieses 63. Lebensjahr passt genau auf das Geburtsjahr unseres Hans Jakob Premblechners in Hallstatt 1698.
Es handelt sich um dieselbe Person und darüber hinaus gibt es auch noch den Hinweis in den Quellen, dass Johann Jakob Breinblechner 1750, nachdem der Markt abgebrannt ist und er offenkundig im Zuge dieser wirtschaftlichen Katastrophe in Hallstatt bei der Saline keine beruflichen Aussichten mehr sah, Er ging nach Bad Aussee, ging dort ins Pfannhaus, also er dürfte zuvor eben auch schon im Pfannhaus tätig gewesen sein und als das 1750 abgebrannt ist, hatte er keine Arbeit mehr und war dann noch im Pfannhaus in Bad Aussee, damals noch im Markt, also noch nicht in Kainisch tätig und ist im Ausseer Sterbebuch eben auch als Zuseher, als Meister im Pfannhaus vermerkt. Also damit sind wir zumindest einmal ziemlich sicher über seine Geburts- und Sterbedaten.
Die Familie Premblechner findet sich heute in Hallstatt nicht mehr. Die letzte Geburt eines Mitglieds der Familie Premblechner ist in Hallstatt 1776 vermerkt und der letzte Träger des Familiennamens Premblechner verstarb 1838.
Aber jetzt wieder zurück zu unserem ganz Jungen, Johann Jakob [Anton] Premblechner, dem Autor dieser Karte. Er ist sieben Jahre alt und sein Vater Simon Premblechner verstirbt. Seine Mutter Katharina, geborene Köninger, die heiratet unmittelbar darauf wieder, 1705, heiratet sie den Matthias Rietzinger. Matthias Rietzinger ist bereits Unterbergmeister, also sie steigt letztlich in der Hierarchie auf und dieser Matthias Rietzinger, dieser Unterbergmeister, ist wiederum ein Cousin des großen Johann [Baptist] Rietzingers, des Bergmeisters, von dem ja einerseits das bedeutende Bergbuch mit seinen umfangreichen Schinlisten stammt, aber auch von jenem Rietzinger, von dem die Tagrevierkarte stammt. Und da habe ich ja in einer der vergangenen Episoden ja schon erzählt, dass diese Tagrevierkarte wirklich Vorbild für die Karte von [Jakob Anton] Premblechner war. [Jakob Anton] Premblechner hat diese Karte, das kann man eigentlich sehr gut belegen, im Maßstab einfach verdoppelt, hat es doppelt so groß dargestellt, aber hat aufgrund dieser Daten gearbeitet. Und sein Stiefvater Matthias Rietzinger, von dem gibt es auch eine sehr große, sehr gut erhaltene Karte. Das ist eine Bergwerkskarte, auf der alle Bergbauhorizonte dargestellt sind, ein sehr großes Blatt. Dieses Blatt liegt in der österreichischen Nationalbibliothek, ist ganz ähnlich wie die [Jakob Anton] Premblechner Karte in der Albertina, auf kleinere Rechtecke zerschnitten, auf Leinwand aufgeklebt, also es könnte eine ganz ähnliche Provenienz wie die [Jakob Anton] Premblechnerkarte sein. Sehr interessant ist auch der Vergleich dieser Karte des Matthias Rietzingers, des Stiefvaters. Das sind eben nicht nur die Stollen, die sind vereinfacht, als Linien idealisiert dargestellt, aber dort, wo die Stollen an das Tageslicht münden, an den Mundlöchern, dort sind ja Gebäude Und diese Gebäude sind sehr, sehr ähnlich dargestellt, wie dann die Gebäude auf der Karte von [Jakob Anton] Premblechner. Also wenn man sich das nebeneinander legt, da gibt es schon eine sehr große, eigentlich eine faszinierende Ähnlichkeit. Und jetzt auch vom Zeitraum, der Stiefvater, der Unterbergmeister Matthias Retzinger, der zeichnet die Karte 1732, [Jakob Anton] Premblechner seine 1735 bis 1939, also da ist [Jakob Anton] Premblechner so um die 37, 38 Jahre alt. Da wird, denke ich, schon sehr deutlich der Einfluss seines Stiefvaters, der ihn mit größter Wahrscheinlichkeit gefördert hat, ihm das Zeichnen beigebracht hat. Und dieser Hans [Anton] Premblechner, der ist auch erwähnt bei einer sehr, sehr komplizierten Vermessung, welche unter Tage stattgefunden hat und zwar 1734 war er da als Geschworener, also da war er schon Meister, war er an dieser Vermessung beteiligt. Und da geht es um diesen berühmten Fund im Kilbwerk, wo man einen verstorbenen prähistorischen Bergmann entdeckt hat. Das ist eben auch im Bergbuch von Johann Baptist Retzinger eingetragen. Man hat, diesen Körper ausgelaugt. Das heißt, dieses neue Laugwerk, dieses Kilbwerk, hat alte archäologische Schichten angeschnitten. Man hat sehr viele Kienspäne gefunden, aber eben auch den Leichnam eines Bergmanns, der ganz seltsam gekleidet war. Man hat sich überlegt - Das ist ja auch festgehalten - es sind keine Geschichten überliefert, dass dort schon einmal Bergbau stattgefunden hat. Also man war sich schon bewusst, dass das sehr, sehr lange her gewesen sein muss. Und man hat dann auch noch zu erkennen versucht, wie ist man an diesen Punkt im Bergwerk gekommen und hat damals offenkundig die Hypothese vertreten, dass die alten Bergleute durch senkrechte Schächte an diese Orte im Bergwerk vorgetrommelt sind und hat dann eine äußerst komplizierte Vermessung durchgeführt. Man hat nämlich vom Kilbwerk, von der Stelle, wo man diesen Leichnam gefunden hat, eine Messstrecke an den Tag gelegt. Also man hat genau gemessen vom Fundort nach draußen und dann von draußen vom Stollenmundloch Obertage wieder retour. Man hat natürlich das ganze Gefälle alles mit einberechnet, um quasi im Gelände genau jenen Punkt zu definieren, wo unterhalb im Bergwerk die Fundstelle ist und hat vermutet da müsste ja eine Binge, also eine eingestürzte Grube, eine Senke sein, die auf ein uraltes Mundloch auf den Beginn eines Schachtes hinweisen würde. Man hat allerdings nichts gefunden und auch bei dieser Vermessung, bei dieser komplizierten Vermessung, war Hans Jakob Premblechner da, natürlich wieder nur als Hans angeführt, beteiligt und daraus können wir natürlich schon sehr sicher schließen, dass er mit komplizierten Vermessungen vertraut war, dass er diese Technik beherrscht hat, dass er in dieser gesellschaftlichen Struktur, in dieser Oberschicht des Bergwerks mit eingebunden war, dass er von seinem Stiefvater gefördert wurde. Und wenn wir diesen gesamten Kontext erkennen, diesen gesellschaftlichen Zusammenhang, dieses gesellschaftliche Gefüge, dann ordnet sich nicht nur die Karte, die er gezeichnet hat, in ihrer Art, die Häuser darzustellen, in ihrer Genauigkeit zu vermessen, sondern auch [Jakob Anton] Premblechner als Person ist in dieses wohlgeordnete Gefüge sehr fest und sehr sicher eingebaut. Der andere Aspekt ist natürlich jener der Migration. Auch das ist bei dieser Oberschicht, bei diesen Betriebsleitern zu bemerken, dass es auch immer wieder Wanderungen gibt. Also das zum Beispiel [Jakob Anton] Premblechner, nachdem die Pfanne abgebrannt war, nach Aussee auswandert. Aber man sieht auch immer wieder bei den Bergmeistern, bei den Hofschreibern, dass immer wieder von außen, von anderen Bergwerken Leute nach Hallstatt versetzt werden, wieder wegziehen. Und durch diese Wanderung, durch diese Migration wurde einerseits erreicht, dass natürlich ein Wissenstransfer von einer Produktionsstätte zur anderen stattfand. Und was ich denke, was sicher auch ein Aspekt war, man versuchte da auch Korruption zu vermeiden, das nicht passiert, dass bestimmte Familien allzu lange an der Macht waren, sondern dass auch hier immer wieder ein Austausch stattfand und sich Machtstrukturen, Machtgefüge nicht allzu sehr verfestigten.