Kulturelles Erbe im Salzkammergut
Über die Karte von Premblechner habe ich ja nun schon in zahlreichen Episoden dieses Podcasts erzählt. Dieser Plan ist zwischen 1735 und 1739 entstanden, wird in der grafischen Sammlung Albertina in Wien aufbewahrt, ist etwa 1,60 Meter lang, 80 Zentimeter hoch und wurde von Jakob Anton Premblechner mit einer unglaublichen Akribie und Detailschärfe gezeichnet und dann noch färbig angelegt. Also es ist einerseits eine Federzeichnung, die dann noch färbig ausgemalt wurde und ich habe ja schon über die Darstellungstechnik eine Episode gemacht. Ich stelle Links zu allen vorigen Episoden und auch zu Episoden, die Querbezüge wiederherstellen in die Shownotes dieser Episode. Also wenn es mir gelingt, sie neugierig zu machen, wenn es mir gelingt. Ihr Interesse zu wecken, dann finden Sie hier entsprechende Links, die Sie weiterführen. Ich falle immer wieder beim Betrachten in die Tiefe dieser Karte und ein Detail, über das ich heute sprechen möchte, sind die Holzbautechnik. Auf der Karte ist sehr klar differenziert zwischen Bauteilen, die gemauert sind, die verputzt sind, die sind weiß dargestellt und zwischen Bauteilen, die aus Holz dargestellt sind. Und selbst bei der Holzfarbe differenziert Premblechner, das ist meiner Meinung nach offenkundig das Alter der Bauteile. Das heißt, da werden die verschiedensten braun bis Ockertöne verwendet und da stehen sehr helle Häuser neben dunklen und ich bin davon überzeugt, dass das nicht einfach passiert ist, sondern dass hier einfach das Altern des Holzes, also Fassaden, welche lange und stark von der Sonne beschienen werden, die dann dieses schöne dunkle Braun annehmen, während neu errichtete Holzteile noch deutlich heller dargestellt werden. Er legt aber diese Holzteile nicht nur färbig an, er zeichnet in diese Holzteile auch Strukturen ein. Und diese Strukturen sind eindeutige Indizien, wie das Holz verarbeitet wurde. Es ist so, ich nehme da jetzt nur ein Beispiel im Uferbereich des Hallstätter Sees. Dort, wo jetzt das neu gebaute Ritzinger dasteht, da steht im Feld ein relativ kleiner Baukörper mit einem Satteldach. Der Giebel dieses Satteldachs zeigt eine vertikale Holztextur, während der obere Stock, das erste Obergeschoss, eine horizontale Textur zeigt und das Erdgeschoss weiß, also gemauert ist. Also hier ist die Schichtfolge Erdgeschoss weiß gemauert, Obergeschoss horizontale Struktur liegende Blockzimmerung. Dachgeschoss, Giebelwand, vertikale Struktur verbrettert. Hier haben wir ja ein Bauprinzip, das wir schon seit der Antike kennen. Das ist das Prinzip der sogenannten Supraposition, dass vom Baukörper von unten nach oben die Bauteile immer leichter werden. Das heißt, wir kennen das zum Beispiel im übertragenen Sinn, dann im Rom beim Kolosseum, wo die Säulenordnungen von unten nach oben von alt zu neu gehen. Das heißt, im Sockelgeschoss die dorische Ordnung, im mittleren Geschoss die ionische Ordnung und im obersten Geschoss die korinthische Ordnung. Also nach oben hin leichter werden. Und diese Prinzipien finden wir aber genauso, wenn wir in Wien, Wien um 1900, die Stadtbahnstationen von Otto Wagner, auch hier sehen wir im Sockelgeschoss Granit, dann darauf aufbauend. Weißen Marmor, im Regelfall wird das Laaser Marmor sein aus Südtirol und dann im oberen Geschoss dieser Marmor noch mit floraler Ornamentik, auch dass sie immer leichter werden. Aber jetzt genau bei diesem Stadel, Premblechner gibt ihm die Nummer 35 in seinem Plan, das gemauerte Sockelgeschoss, die Blockzimmerung und das leichte, filigrane skelettöse Giebelgeschoss. Es finden sich neben diesen schweren hölzernen Blockstrukturen auch sehr häufig Strukturen, wo eine offenkundig skelettös gezimmerte, vielleicht hier zur Unterscheidung die Fachausdrücke, man unterscheidet beim Holz einerseits zwischen der Massivbauweise, das ist die Blockbauweise, wo entweder massive Rundhölzer, Bloche, Stämme aufeinandergefügt werden oder behauene oder gesägte Kanthölzer als Blockbau ausgeführt werden. Das ist die Holzmassivbauweise und im Gegensatz dazu ist die Skelettbauweise, wo man aus Kanthölzern ein Skelett, ein Framework errichtet und das dann an seiner Außenseite mit Brettern gegen die Witterung schützt, verbrettert und hier sind und da bin ich jetzt bei dem Haus, in dem ich gerade sitze, wo ich den Podcast aufnehme, das Haus, in dem ich lebe, am oberen Weg, dort ist... oberen Grundstücksende, also Richtung Zachhuberhaus, eine Hütte eingetragen und diese Hütte, da gibt es auch noch Fotos, die bestanden bis etwa in die 1920er Jahre, die ist aufgeständert. Also dort, wo diese extreme topologische Situation besteht, dass eben der Hang so steil ist, wird Richtung Tal, talseitig stehen dann vertikale hölzerne Stützen, bergseitig liegt der Boden natürlich am Felsen auf und so wird immer talseitig aufgeständert. Und wenn man jetzt da in die Premblechner Karte hineinzoomt, wenn man zu den verschiedenen Häusern geht, findet man eben diese Aufständerungen natürlich immer dort am Hallberg, aber auch im Bereich des Kirchenwegs, wo immer wieder Hütten zu finden sind, die talseitig auf Säulen, auf Stützen stehen. Das findet man im Ortsteil Tremischen. Also wenn man hier jetzt durchgeht, sind immer wieder diese aufgeständerten Hütten, aber man findet diese Aufständerung, darüber habe ich ja auch schon einmal erzählt, bei den Sommerhäusern dort. Wo heute die Eiselgasse ist, war ja das Sommerhaus, das Sommergut des Salzfertigers Eisel. Und auch hier findet sich eine Hütte, die im Fischteich steht, die auch auf vier Piloten aufgeständert ist. Und ich finde es sehr interessant, diese leichten Holzobjekte auf Stelzen erinnern mich wieder jetzt an eine ganz moderne Haltung im Bauwesen, wo man versucht, aus Bodenschutzgründen die Häuser nicht mehr auf den Boden zu stellen und damit den Boden zu versiegeln, sondern man versucht mit möglichst zarten Elementen, mit solchen Stützen, dann das Gebäude vom Boden abzuheben und mit möglichst geringem Eingriff in den Boden ein Objekt zu fundieren, zu gründen. Und da finde ich es dann schon sehr spannend, dass das offenkundig keine neue Erfindung ist, sondern in den 1730er, 1740er Jahren in Hallstatt eigentlich fast eine Standardtechnologie war.