Welterbe Hallstatt

Welterbe Hallstatt

Kulturelles Erbe im Salzkammergut

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Ich wurde gefragt, wie man das Alter von handwerklich gefertigten Objekten aus dem Welterbegebiet Hallstatt, Dachstein, Salzkammergut bestimmen kann. Und dazu steht uns eine Vielzahl von Methoden zur Verfügung. Es gibt einerseits die allgemein bekannten naturwissenschaftlichen Methoden. Das betrifft vor allen Dingen organische Materialien. Aber jetzt ist schon ein zweiter Aspekt in der Altersbestimmung aufgepoppt. Diese naturwissenschaftlichen Methoden, Radiokarbon-Methode, Dendrochronologie, die bestimmen das Alter der Substanz, das Alter des Werkstoffs, aus dem etwas gefertigt wird. Und das zweite Thema ist die Bearbeitung des Werkstoffs. Fürs Mauerwerk gibt es die verschiedensten Indizien der handwerklichen Bearbeitung, mit der man Mauerwerk im Welterbegebiet datieren kann. Was wegfällt, sind natürlich die naturwissenschaftlichen Methoden, der Radiokarbonmethode und der Dendrochronologie, welche natürlich auf Mauerwerk und das verwendete Material nicht anwendbar sind.

Aber auch hier, wenn wir hier vielleicht wieder die Entwicklung des Mauerwerks in Hallstatt betrachten, das älteste in Hallstatt vorhandene Mauerwerk ist römerzeitlich. Die Römer, als sie die Provinz Noricum quasi okkupierten und hier als Besatzer in Hallstatt waren, die haben natürlich ihre Mauertechnik mitgebracht, übrigens auch den Namen Kalk, kommt natürlich vom lateinischen calx. Die Römer haben in Hallstatt die Kalktechnik implementiert, natürlich auch das Kalkbrennen in Hallstatt ist ja das Rohmaterial. Kalkstein, der dazu erforderliche Brennstoff, das Holz, ist ja reichlich vorhanden. Und darum gibt es eben bereits römerzeitliches Kalkmauerwerk in Hallstatt. Und auch hier gibt es natürlich wieder die Indizien, wie hat der Maurer die Steine in die Wand gesetzt, wie dick ist die Wand, wurden an den Ecken behauene Steine eingesetzt. Wie sind diese Steine behauen, wenn ein Stein behauen ist, also wenn er nicht nur gebrochen ist oder nicht nur ein Stein aus dem Bach ist, der rund ist. Auch hier kann man natürlich sofort wieder unterscheiden. Bruchstein, typische Bruchflächen, Bachsteine gerundet, viel schwieriger zu vermauern. Nächste Stufe, das Steinmetz-mäßige Bearbeiten, also ist der Stein nur grob mit dem Zweispitz, das ist ein Hammer, mit zwei Spitzen beschlagen. Den Spitzhammer gibt es aber schon seit der Römerzeit, also gespitzte Oberflächen können natürlich römerzeitlich sein. Ist der Stein bossiert, besitzt einen Randschlag und ist das Feld noch grob? Ist der Stein scharriert, dann besitzt er lauter parallele Bearbeitungsspuren, feine parallele Rillen, die aber leicht voneinander abweichen. Das ist eben Scharrieren, ist der Stein gezahnt, ist er gepeckt. Also auch hier immer wieder die verschiedenen Werkzeuge. Ist er mit einem Stockhammer behandelt? Ein Stockhammer, der sieht so ähnlich aus wie ein Schnitzelhammer, nur halt mit härteren Spitzen. Und das ist dann ein typisches punktförmiges Muster. Solche Stockhammer-Oberflächen kommen erst ab dem 19. Jahrhundert. Aber es kann natürlich sein. Älterer Stein dann mit einem Stockhammer überarbeitet worden sein. Das sieht man zum Beispiel beim sogenannten geschriebenen Stein am Salzberg, der aus dem 16. Jahrhundert stammt, der an den Besuch von Kaiser Maximilian und damals noch König Maximilian I. Am Salzberg erinnert. Und der wurde später mal mit einem Stockhammer überarbeitet. Also hier wäre es falsch, den Schluss zu ziehen, dass dieses Denkmal, dieser geschriebene Stein aus dem 19. Jahrhundert stammen würde, weil diese Stockhammer-Spur drauf ist. Das ist nur quasi auch wiederum eine Geschichte, die man aus diesem Stein ablesen kann. Ein anderes Indiz, um das Alter von Mauerwerk in Hallstatt zu bestimmen, ist der, ob das Mauerwerk Ziegel enthält.

Die Einführung der Ziegel in Hallstatt passierte relativ spät. Das heißt, man begann erst in den 1720er Jahren Überlegungen anzustellen, ob man die Pfannensteher unter der Pfanne, und zu diesem Thema gibt es ja, denke ich, schon einige Episoden dieses Podcasts, und da werde ich auch in die Shownotes einen Link dazu stellen, kann man diese steinernen Pfannensteher möglicherweise durch länger haltbare Ziegelpfannensteher ersetzen. Die Idee kam quasi aus einer Exkursion, da haben Hallstädter Führungskräfte die Saline in Hallein besucht und haben gesehen, dass die keine steinernen Pfannensteher, sondern Ziegelpfannensteher haben und haben gemerkt, die sind nicht so dick, sie haben nicht einen so großen Durchmesser wie die steinernen und halten länger. Und die haben dann natürlich diese Idee mit nach Hause gebracht und versucht ebenfalls Ziegelpfannensteher her zu stellen. Allerdings kann man hier, das ist von den Quellen her sehr gut dokumentiert, sehr schön ablesen, wie lange es damals gedauert hat, eine neue Technologie einzuführen. Für uns kein Problem. Wenn wir Stein wollen, dann bestellen wir den Stein. Wenn wir Ziegeln wollen, bestellen wir den Ziegeln. Das ist ja nur noch eine Frage von Tagen. Damals war es eine Frage von Jahrzehnten. Man musste experimentieren. Welcher Lehm ist zur Herstellung feuerfester Ziegel geeignet? Welcher Sand zum Beimengen? Man mengt ja den Ton zum Abmagern, damit er länger standhält. Also das Abmagern bedeutet ja, wenn ein Rohstoff für den Ziegel ausschließlich aus Ton besteht, ist er viel zu fett und der Ziegel würde relativ schnell im Feuer springen, wenn man den Ton jetzt entsprechend abmagert, Sand dazu gibt, eine andere Variante, heute ist zum Beispiel auch Schamottgranulat, dann wird der Ziegel feuerfest, erhält der Flamme viel, viel länger Stand. Aber diese Erfahrungen musste man sammeln. Es war ja damals quasi schon ein Wunder, dass die Hallstädte überhaupt die Pfanne in Hallein besichtigen konnten. Die haben ihnen aber dann nicht gesagt, welchen Ton haben sie verwendet, wie wurde gebrannt. Das musste man sich erst mühsam erarbeiten und da wurde über 30 Jahre experimentiert, bis man dann in der Mitte des 18. Jahrhunderts soweit war, um wirklich brauchbare, dauerhafte, feuerfeste Ziegelpfannensteher herzustellen. Da wurde zum Beispiel in einer Hallstatt versucht, woher nehmen wir den Letten? Woher kommt der Ton? Woher kommt der Sand? Also es wurde teilweise dann mit Letten aus dem Waldbachtal. Der Sand wurde teilweise von der Sattelalm geholt. Es wurde auch mit Sanden aus dem Hausruckgebiet experimentiert. Es wurden auch Tone und Sand aus Ampflwang, aus Frankenburg in Salzkammergut gebracht, bis man endlich in der Lage war, mit lokal vorhandenen Rohmaterial kostengünstig dauerhafte Pfannensteherziegel herzustellen. Die sind insofern natürlich jetzt für die Datierung von Mauerwerk sehr interessant, weil natürlich auch diese tönernen Pfannensteher im Lauf einer Sudperiode kaputt gingen und beim sogenannten Pfannenbereiten, bei der Erneuerung der Salzpfanne, wurden natürlich die zerbrochenen Pfannsteherziegel entfernt und durch Neuersetzt. Und diese Bruchstücke wurden natürlich nicht weggeworfen, sondern wurden günstig den Arbeitern gegeben und im Mauerwerk eingebaut. Und das sind insofern ganz typische Ziegel, weil diese Pfannensteherziegel waren zylindrisch so analog wie die Trommeln einer Säule, also wie eine antike Säule aus zylindrischen Trommeln zusammengesetzt ist. So waren auch diese Pfannensteher aus Ziegeltrommeln zusammengesetzt. Und was wir im Mauerwerk finden, sind oft halbe Zylinder. Und diese Halbzylinder sind natürlich dann eine Datierungshilfe. Wir wissen, ab den 1720er Jahren wurde mit dem Experimentieren begonnen. Und wenn dann solche Halbzylinder in der Mauer sind, Und dann kann man natürlich davon ausgehen, dass die allerälteste Datierung dieser Wande in den 1720er vermutlich aber 1750er, 1760er Jahre aufwärts stattgefunden.

Diese Pfannensteher, da bin ich draufgekommen, besitzen aber auch unterschiedliche Ziegelmarken. Also es ist in die kreisförmige Deckelfläche der Zylinder sind Symbole, Buchstaben, Ziffern in den Ton eingestempelt. Ich habe da einige dokumentiert, aber bin dem dann auch nicht weiter nachgegangen. Ich habe auch bisher keine entsprechenden Quellen dazu gefunden, aber natürlich könnte man aufgrund dieser Ziegelmarken den Hersteller, den Herstellungsort möglicherweise sogar das Herstellungsjahr identifizieren.

Solche Marken analog sind ja Steinmetzmarken. Wenn Sie etwa das Südportal der katholischen Kirche in Hallstatt genauer betrachten, dann werden Sie an den einzelnen Steinen des Gewändes einerseits Ziffern eingemeißelt sehen. Diese Ziffern deuten darauf hin, in welcher Reihenfolge die einzelnen Steine zu versetzen sind. Also man kann davon ausgehen, das sind Fertigteile, die im 16. Jahrhundert irgendwo anders hergestellt wurden und nach Hallstatt geliefert wurden. Und diese einzelnen Steine des Portals zeigen auch Steinmetzmarken. Das sind eingekerbte Zeichen, die ähnlich wie Buchstaben anmuten oder vielleicht anmuten wie chinesische Schriftzeichen, wie Kanjis in Japan. Und diese Steinmetzmarken waren ein Nachweis, welcher Steinmetz das gemacht hat. Und auch da gibt es Verzeichnisse, mit denen man diese Steinmetzmarken identifizieren kann, möglicherweise einem Steinmetz einer Hütte zuordnen kann und auch dann wieder zeitlich einordnen kann.

Beim Mauerwerk natürlich findet man nicht nur diese halbzylindrischen großen Pfannensteher, man findet auch Ziegelbrocken drin, also die Römer nannten diese Form des Mauerwerks Opus Mixtum. Der Ziegel hat ja gute Eigenschaften, wenn man ihn vermauert. Er saugt aus einem zu flüssigen Mörtel schneller die Feuchtigkeit heraus und er macht natürlich das Mauerwerk auch poröser, senkt dessen Wärmedurchgangszahl. Also das ist durchaus auch natürlich ein praktisches Element, diese Ziegelbrocken einzubauen. Aber wie gesagt, Ziegelherstellung erst ab den 1720er Jahren und daher auch eine Datierungshilfe. Man könnte beim Mauerwerk weitergehen, man könnte sich den Sand anschauen. Woher kommt der Sand? Im Regelfall kam dieser Sand von der Traunmündung in Obertraun, er kam von der Waldbachmündung, weil hier durch die Natur, durch den Bach das Material quasi naturgegeben, zerkleinert wird. Man muss nicht mehr mühevoll Steine zerkleinern, um Sand zu gewinnen.

Ein anderes Thema, wo man beim Mörtel wiederum naturwissenschaftliche Methoden anwenden könnte, sind organische Mörtelzugaben, man findet in Mauermörteln und manchmal kleine Holzstückchen, die mitgemauert wurden, beziehungsweise mir hat vor einigen Jahren ein alter Hallstätter Maurer erzählt, dass er zu den Innenputzen als organischen Zusatz Sägemehl aus der damals noch aktiven Waldbachsäge genommen hat, um hier einen Dämmputz herzustellen, also ein Mörtelgemenge aus Kalk, Sand und Sägespänen, Sägemehl aus der Säge.

Dieser Mörtel war nicht so hart, man konnte besser Nägel einschlagen und er erlaubte eine höhere Oberflächentemperatur, wirkte quasi wie ein Dämmputz im Innenraum und diese organischen Mörtelzusätze, die könnte man wieder aus einem Mörtel extrahieren. Man kann sie natürlich nicht dendrochronologisch behandeln, man könnte sie möglicherweise mit der Radiokarbonmethode.

Und bei den Verputzen, auch hier wieder gibt es die Faktur, Man schaut sich an, mit welchem Werkzeug wurde der Putz geglättet? Wurde der mit der Kelle geglättet?

Wurde der mit dem Glättblech geglättet? Wurde der mit dem Reibbrett? Also Reibputze sind jünger als Glättputze. Wie dick ist der Putz? Oder bei den Architekturelementen, wie dick sind die Faschen?

Welches Bindemittel wird eingesetzt? Man kann an der Farbe des Putzes, wenn der Putz rein weiß ist, ist es immer ein Indiz auf Kalkmörtel. Das ist meistens älter. Wenn man im Putz so einen beige-gräulichen Ton als Farbe des Bindemittels, als Farbe des Mörtels sieht, dann ist das ein Indiz auf Romanzement. Romanzement kommt natürlich industriell produziert erst in Salzkammergut, nachdem die Kronprinz-Rudolfsbahn ab den 1870er Jahren als billiges Transportmittel zur Verfügung steht. Das gleiche gilt für den Zement, wenn der Putz, der Mörtel eine graue Farbe zeigt, wenn das Bindemittel grau ist. Das ist ein Indiz für Zementverwendung und Zement in Mörteln, den findet man erst ab dem frühen 20. Jahrhundert. Also auch hier wieder eine Datierungshilfe.

Und natürlich überhaupt der verwendete Stein. Wenn wir in Hallstatt Granit sehen, wie etwa bei der Prachtstiege zum Amtshaus. Dieser Granit stammt natürlich aus einer anderen Gegend, aus dem Mühlviertel und auch dieser Granit kam erst ins Salzkammergut, als die Bahn diesen kostengünstigen Transport erlaubte.

Über diesen Podcast

Das Welterbegebiet Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut ist eine einzigartige Kulturlandschaft mit einem reichen kulturellen Erbe. Mein Name ist Friedrich Idam und ich stelle ihnen in jeder Episode eine neuen Aspekt unseres Welterbes vor. Dieser Podcast wird von Welterbe - Management Hallstatt unterstützt.

Ab Folge 153 ist für jede Episode ein redaktionell bearbeitetes Transskript hochgeladen.

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von und mit Friedrich Idam, Gestaltung: Reinhard Pilz

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