Welterbe Hallstatt

Welterbe Hallstatt

Kulturelles Erbe im Salzkammergut

Transkript

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00:00:00: Welterbe bedeutet in Kombination von den beiden Begriffen Welt und Erbe ein ganz bedeutendes Erbe.

00:00:14: Und grundsätzlich denke ich ist mit dem Erbe der Gedanke verknüpft, dass es sich dabei um etwas Besonderes, um etwas Wertvolles, dass man möglichst umgeschmälert weitergeben sollte.

00:00:37: Bei diesem Gedanken drängt sich dazu parallel die Idee oder die Aussage auf, die ich schon manchmal gehört habe.

00:00:48: Schlechte Zeiten sind gute Zeiten für die Denkbalpflege.

00:00:53: Das heißt wenn die batteriellen Umstände schwierig sind ist es natürlich naheliegender bestehende Dinge zu erhalten und diese Dinge möglichst langzunutzen.

00:01:08: Während in Zeiten des Reichtums, des Überflusses der ständig wechselnden Mode natürlich das was wir ererbt haben schnell an Wert verliert ein Bedeutung verliert und weggeworfen zerstört wird.

00:01:29: In diesen Zeiten der Materielnot gab es aber neben der möglichst langen, möglichst unverhinderten Nutzung auch die Idee der Zweitnutzung der Wiederveränderung.

00:01:46: Und in den letzten Episoden wo es um die Altersbestimmung gegangen ist habe ich schon ein paar Beispiele genannt zum Beispiel Türbeschläge Welche ursprünglich im Wohnraum, im Innenraum eine hohe Bedeutung besaßensprechend schön und handwerklich hochwertig ausgeführt wurden.

00:02:09: Aber dann mit Wechseln der Mod Ende des Neunzehnten Jahrhunderts durch andere Arten von Türbeschlägen ersetzt worden, dass aber diese Türen nicht auf den Müll wanderten sondern in einer wenn auch Rang niedrigen Verwendung als Türen von Holzhütten weiterverwendet wurde.

00:02:34: Und das ist eben die Idee des Down-Cyclings, es gibt natürlich auch die Idee dieses Abcyclinges dass man etwas, was vielleicht eine nicht so hohe Bedeutung hatte plötzlich, dass man dem mehr Bedeitung gibt.

00:02:57: am Cover-Bild dieser Episode sehen Sie einen Gullischacht, einen Bodeneinlauf mit einem Abdeck.

00:03:07: Und diese beiden Objekte sind jeweils recycelt haben in dieser Form nicht zusammengehört und ich überlasse es jetzt Ihnen ob das jetzt ein Upcycling oder ein Downcycling ist den Gulle der stammt von relativ weit weg, von Scherding.

00:03:31: Dort wurde in den neunzehnachtziger Jahren größere Bereiche im Stadtzentrum die Granitpflasterung entfernt und durch einen anderen Straßenbelag ersetzt.

00:03:44: Und aus diesem Abbruchmaterial stammt dieser Gulli, dieser Schacht-Einlauf – und der ist das hat mich damals schon Ich den bekommen habe fasziniert.

00:03:58: Der ist monolithisch aus einem Stück Granit, also das ist wirklich ... Das quadratische Loch der ist ja quasi wie ein Rahmen und das Loch in diesem Rahmen ist... Aus dem massiven Granit herausgearbeitete Art auch dann an der Innenseite eine umlaufende Nut welcher dann einen Deckel eingelegt werden kann.

00:04:21: es sind sogar noch die beiden Befestigungen für die Scharniere dieses Deckels vorhanden.

00:04:29: Die sind eingebleitet, also das war eine Technik im Schmiede-Handwerk dass man in den Granit in den Stein ein Loch gebohrt hat, bohren hieß hier natürlich mit einem Meisterbohn aus, dass man einen Flachmeister immer um hundertzwanzig Grad gedreht hat, jedes mal draufgeschlagen hat und so mühevoll ein Loch geboht hat.

00:04:53: diese Löcher zum Ausbleihen waren unkonisch erweitert, sodass das Blei dann, wenn es erherrte war formschlüssig in dieser Öffnungshase und man hat eben die Beschlagstelle, die Angeln der Beschläge in das Loch gegeben.

00:05:12: Dann flüssiges Blein eingegossen und dann das Bleih noch nachverdichtet.

00:05:18: Bleise insofern sehr interessant.

00:05:19: würde man Die Befestigung mit Holzkeilen machen würde das Holz aufquellen und den Steinen sprengen.

00:05:26: Das Blei gegen Schrumpf sogar durch das Abkühl leicht ein ist, aber so weich dass es durch Verdichten wieder in diese Form fester eingepresst werden kann.

00:05:36: Umgekehrt kann man natürlich diesen Beschlag wieder lösen.

00:05:40: Und das finde ich bei dieser Befestigungstechnik für deine Reuse ja so spannend!

00:05:46: Man kann das Blei mit einer Lötlampe erwärmen flüssig macht, dann fließt es heraus und so kann man beschädigungsfrei diese Verbindung wieder lösen.

00:05:57: Auch das Befestigungsmittel, das Blei kann man in unzähligen Zyklen wiederverwenden.

00:06:05: aber der Deckel dieses am Cover dieser Episode abgebildeten Schachtes Das ist nicht mehr der originale Deckel, der war nicht mehr verhandelt.

00:06:16: Das ist das Stück eines Pfannblechs.

00:06:18: Man sieht an drei Seiten des Blechs diese kreisraumt sehr exakten Öffnungen, da seihtas es ein Pfannflech schon aus dem neunzehnten Jahrhundert als man mit der industriellen Kästlinietung die entsprechend präzise und genau war, schon sehr dichte und relativ lang haltbare Pfannen zusammenbracht hat.

00:06:42: Da wurden diese Pfannpleche vernietet.

00:06:45: Dieses Pfandblech habe ich am Dachboden unseres Hauses gefunden, das hat sich vermutlich die Vorbesitzer einmal mit nach Hause genommen.

00:06:55: Ich denke hier war er oft dieser Linne eine Quelle für alle möglichen Dinge, die man brauchen konnte.

00:07:02: Es wurde aber nicht gebraucht.

00:07:04: Lieberm Dachbodendlinge, ich brauchte eine Schachtabdeckung sehr gut gebast in der Breite.

00:07:10: In der Länge habe ich sie mit einem Winkelschleifer abgeschnitten und so sind Zwei Dinge neu vereint, sie stehen in der Wiederverwendung.

00:07:20: Und da geht es ja um die materielle Substanz des Erbes.

00:07:24: Das Erbe hat mehrere Aspekte, das ideal wäre vielleicht die Materiellesubstanz möglichst unverändert lassen.

00:07:35: aber dann denke ich, die Form des Zweitenutzens und der Wiederverbindung, die im materielle Substanz in einem hohen Maß erhält, manche Elemente leicht verändert und sie wieder zu neuen Objekten zusammenfügt.

00:07:54: Und das ist für mich auch schon Teil eines lebendigen Ernstes – dass man Teile verwendet, möglichst lange verwendete und wenn man sie in der ursprünglichen Funktion nicht mehr braucht neu verwendeten.

00:08:07: Wenn Sie so mit der offenen Augen durch das Welter begehen werden sehr an vielen Stellen solche wiederverwendeten Teile finden in einer der früheren Episoden über das sogenannte Hellerhaus, am Seestraße eines der ältesten im original erhaltenen Häuser.

00:08:27: Bei diesem Heller Haus ist das Erdgeschoss steingemauert und das Obergeschoss gezimmert und als Schwellenholz dieses Zimmerwerks im Obergeschos liegt ein Balken.

00:08:42: Dieser Balken ist im Bereich über der Haustür des Erdgeschosses frei, man sieht von unten auf diesen Balken und da sieht man einen Zapfenloch das an dieser Stelle so wie er jetzt eingebaut keinen statischen Sinn ergibt.

00:08:59: und das ist ein Indiz für die Zweitverwendung.

00:09:03: Da sieht man wenn ein Holzteil Zapfelöcher Zimmerfans mäßige Formschlüsse, Verbindungselemente sind ihm.

00:09:12: Aktuellen Einbauzustand keinen Sinn ergibt.

00:09:15: Dann ist das immer ein klares Indiz für Zweitverwendung.

00:09:20: Ein, denke ich auch sehr schönes Beispiel der Zweitverbindung ist die Pflasterung sind die Platten vor dem Südportal, vor dem Hauptportal der katholischen Kirche.

00:09:33: Vor der kATHOLISCHEN KIRCHE liegen unmittelbar vor dem Eingang hintereinander drei große Steinplatten aus einem ropen Steinmaterial.

00:09:47: Eingefasst sind diese drei großen Steinplaten links und rechts von einer Pflasterung aus kleinerem Material, das sind Platten etwa sechzig mal sächsig Zentimeter

00:10:04: bzw.,

00:10:07: und dieses Steinmaterial der seitlichen Pflasterung ist deutlich heller als ein anderer Stein.

00:10:15: Und dieses Material stammt vom Müllbach Fluder, vom sogenannten Schmittenfluder.

00:10:25: Das war jener Arm des Müllbachs, der beim Pfannhausbügel entlang Der Grundgrenze zum evangelischen Pfarrhof Richtung Seegeflosse ist im Sportgeschäft Janu.

00:10:40: Gibt ihr es ja noch?

00:10:42: Den sehnahen, den letzten Teil dieses Fluders.

00:10:46: und im Zuge des Baus des Kulturenveranstaltungshauses wurde dieser Müllbach-Fluder zerstört, wurde abgebaut und das Steinmaterial war wunderschönig der war in dieser salinarischen Qualität, man hat damals solche öffentlichen Bauten mit Topmaterial durchgeführt.

00:11:13: Mit dem Ansatz ist es so gut zu machen dass es mehrere Jahrhunderte hält das keine Reparaturen notwendig sind.

00:11:22: und diese Steinmaterial war hochwertiger regionaler Kalkstein aus Halstadt.

00:11:28: Diese harten Steine die werden im Dialekt auch als sogenannte Beufen bezeichnet als ein sehr harter Frostsicherer dauerhafter Stein.

00:11:38: Und aus diesem abgebrochenen Quadern des Müllbachfluders wurden in den neunzehnachtziger Jahren Platten geschnitten und dieses zweitverwendete Mauerwerk, also die Quartern, wurden auf mehrere immer noch sehr dicke Platten zerlegt wird dann als Zweitverwendung neben den bereits vorhandenen großen Platten verlegt.

00:12:11: Diese drei großen roten Steinplatten sind etwa zwei Meter vierzig lang, etwa einen Meter zwanzig breit also wenn man das in das historische Maßsystem übersetzt acht Werk schon lang vier wirkschuhe breit, eine klare einfache Proportion im Verhältnis eins zu zwei ein Doppel Quadrat.

00:12:40: und wenn man dann genauer hinschaut sieht man dass diese großen Pflasterungen, diese großen Platten nicht von anbeginn der Anpflasterplatten waren.

00:12:57: da sieht man am Rande noch die Reste.

00:13:01: Eine Hinschrift, man ahnt vielleicht noch im Zentrum dieser Platten ein Relief und dann wird relativ schnell schlau, dass es sich um sogenannte Epitaphien- und Grabplatten handelt.

00:13:16: Diese mittelalterlichen und früh neuzeitigen Grabplaten gibt's in ganz Österreich in großer Zahl und die stammen alle aus einem Steinbruch in der Nähe von Hallein bzw.

00:13:31: Salzburg aus Adnet und dieses Material ist der sogenannte Adneterot oder auch Linnbacher, manchmal werden diese Mundkalksteine als Marmor bezeichnet aber es ist nach strenger geologischer Definition kein Marmor denn dazu sind die Kristalle zu klein.

00:13:53: Marmor liegt nach neuer Terminologie dann vor wenn die Kristalle mit freien Auge erkennbar sind.

00:14:00: Und diese roten Bund-Kalksteinplatten Lindacher, übrigens diese Sorten auch wie Schnöll zum Beispiel, die sind nach den alten Steinbrüchen, nach dem Besitzer der Steinbrücke benannt.

00:14:13: Diese Bundkalksteine in Adnet waren extrem beliebt also wirklich vom späten Mittelalter und vor allen Dingen dann im Barockon.

00:14:26: Über dem Wasserweg ist dann dieses Steinmaterial in ganz Österreich verteilt worden, also Salzach im Donau und hier wäre es natürlich auch sehr interessant welchen Weg diese Platten genommen haben.

00:14:40: Ich kann mir eher vorstellen dass sie wirklich am Wasserweg Salzach abwärts in der Abwärz Toner abwärt und dann Trauna aufwärzt transportiert wurden weil das damals auch wenn ein große Umweg in Kauf genommen wurde, dennoch denke ich der leichtere Weg war als der Transport am Landweg.

00:15:03: Aber das ist ungeklärt, da sind wir auf Vermutungen angewiesen.

00:15:08: Dieser Ardnetter Rot, dieser Linnbacher, der besteht aus Kalkknollen in leicht unterschiedlichen Farben.

00:15:17: Da gibt es so einen Grundton, etwa Ziegelrot dann gibt's Knollen in einem etwas dunkleren Rot Und manche dieser Knoll sind von einem feinen schwarz nach Hand umgeben.

00:15:30: Das ist Mangan, die Rotfärbung kommt vom Eisenhock sieht und diese dann in einen diagnostischen Prozess extrem verdichtet worden.

00:15:40: Teilweise gibt es auch so eine merkelige Matrix also alle die viele Anteile von dieser merkeligen Matrix haben sie nicht frostbeständig aber es gibt die sogenannten Kernschichten mehr Kleinteil haben.

00:15:56: und diese Kernschichten sind frostbeständig, sind polierfähig.

00:16:00: Wenn man sie poliert dann sieht man in die von mir beschriebenen Phänomene an der Oberfläche aber die Platten, die vor dem Mortal der Katholisch Kirche liegen, die sind natürlich der Witterung ausgesetzt, mehrere hundert Jahre weisen keine Frostschäden auf und da ist die Oberflächen durch diese Witterungsexposition matiert.

00:16:26: Also dies rau und da dreht ein Phänomen auf, das ist der sogenannte Matscheibeffekt.

00:16:31: also wie wenn man eine Glasplatte etzt und damit die Oberfläche aufraut dann ist die Lichtreflexion diffuser.

00:16:40: d.h.,

00:16:41: dass Rot des Steins des Matras hat sich nicht geändert im Vergleich zum Polierzustand nur erscheint es uns aufgrund der Rauchkeit unter diffuseren Lichtreflexion-Heller.

00:16:56: Die haben natürlich in ihrem Lebenszyklus schon den Weg eines Downcycling erlebt, denn ursprünglich haben sich wohlhabende Persönlichkeiten für ihr Grab einen solchen Bedarf beschafft.

00:17:17: und Wenn man sich vor Auge führt wie aufwendig dieser Transportweg war, dann war das natürlich nur eine Oberschicht vorbehalten.

00:17:28: Und solange die Familie existierte, so lange nachkommender waren wurde diese Grablatte gepflegt.

00:17:38: und wenn man aber sich diesen Umstand vor Aue geführt, den ich ja schon bei der Karte von Bremblechner angeführt habe dass letztlich von dem Hauseigentümerbestand aus den siebzehn-von dreißig Jahren aktuell zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts nur noch bei zwei Häusern in Hallstadt immer noch die damalige Eigentümersfamilie mit dem selten Namen im Hause sitzt, so merkt man doch diese Veränderungen.

00:18:09: Diese schnellen Veränderung und so geht auch mit diesen Krabdenkmälern nach ein, zwei Generationen wird die Person vergessen.

00:18:21: Die Familie verliert vielleicht eine Bedeutung.

00:18:23: und dann hat man aber diese Krabplatte, diese zwei Meter vierzig mal einen Meter zwanzig große und etwa zwanziger Zentimeter starke Platte aus hochwertigen Material nicht weggeworfen, nicht zerstört sondern man hat sie sehr repräsentativ vor dem Eingang der Kirche als Pflasterung aufgelegt.

00:18:48: und dann ist folgender Prozess eingetreten.

00:18:52: Unzählige Menschen, unzähligen Dritte sind im Laufe der Jahre, der Jahrzehnte oder der Jahrhunderte über diesen Stein gegangen der Person, für die er ursprünglich gedacht war, durchs Drüber gehen letztlich abbratiert und geglättet und haben letztlich die Erinnerung an diese Person getilgt.

00:19:29: Und damit vielleicht sogar wieder einen Prozess des Abseitlings begonnen hat!

00:19:38: das ursprüngliche Objekt dann endgültig umgeformt ist, wenn man Namen und Bildnis nicht mehr kennt.

Über diesen Podcast

Das Welterbegebiet Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut ist eine einzigartige Kulturlandschaft mit einem reichen kulturellen Erbe. Mein Name ist Friedrich Idam und ich stelle ihnen in jeder Episode eine neuen Aspekt unseres Welterbes vor. Dieser Podcast wird von Welterbe - Management Hallstatt unterstützt.

Ab Folge 153 ist für jede Episode ein redaktionell bearbeitetes Transskript hochgeladen.

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von und mit Friedrich Idam, Gestaltung: Reinhard Pilz

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