Welterbe Hallstatt

Welterbe Hallstatt

Baukulturelles Erbe im Salzkammergut

Transkript

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In der Reihe über die Hallstätter Plätze möchte ich heute ein wenig über den

oberen Marktplatz erzählen.

Der Mühlbach verläuft im Ortszentrum von Hallstatt, dem Markt, leicht mäandrierend. Wenn auch der Mühlbach zumindest seit den 1880er Jahren durch die Verbauungsprojekte in ein steinernes Bett gedrängt ist, so denke ich doch, dass diese leicht mäandrierende Form eine sehr, sehr alte Form, ein sehr alter Verlauf des Mühlbachs ist. Und diesem Bachverlauf folgt auf seinem rechten Ufer eine Häuserzeile, die beginnt unten beim Café Derbl, geht mehr oder weniger nordwestlich, nur unterbrochen durch das Mühlbach-Gassl, durch das schmale Gastl, das zur Gemeindestiege führt und letztlich dann noch einmal durchbrochen durch die schmale Müllerstiege bis hinauf zum oberen Marktplatz. Und diese nahezu geschlossene Bebauung bildet natürlich auch die Platzbegrenzung des Marktplatzes, des, man könnte sagen, unteren Marktplatzes und bildet natürlich auch die Platzbebauung des oberen Marktplatzes. Im Bereich der Plätze nimmt diese Kurve jeweils eine konkave Form ein und die konkave Fassadenebene, der Platzrandbebauung, die erzeugt natürlich einen konvexen Platzraum. Also der Platzraum ist ja formal immer der Gegenraum zur umhüllenden Platzbebauung und diese konvexe Platzraumform, wird mathematisch auch als positiver Raum bezeichnet. Und diesen positiven Raum erlebt man auch als Benutzer positiv, als umhüllend. Ich finde gerade die Situation am oberen Marktplatz so spannend, wo die nordwestliche Platzbegrenzung von dieser konkaven Fassadenlinie gebildet wird, also hier dieser positive Platzraum entsteht. Dann aber im südöstlichen Bereich, vor allen Dingen das alte Reisenauerhaus, (Oberer Marktplatz 55) das jetzt zum Museum gehört richtiggehend in diesen Raum hinein drängt, also da entsteht ja eine Platzform, so ein Grundriss betrachtet, ist der obere Marktplatz ein L, wo ein Teil des L's der obere Teil des Badergrabens ist und der andere Teil des L's Richtung Pfannhausbühel abfällt. Er fällt auch jeweils ab. Ich glaube, das wird dann das nächste Thema, die Höhenentwicklung, die dreidimensionale Entwicklung. Also es gibt beim oberen Marktplatz in die eine Richtung zur nordwestlich gelegenen Häuserzeile diesen positiven Platzraum. Da stehen ja auch die Hausfassaden wie ein Proscenium. Und wenn man sich diesem oberen Marktplatz nähert, und da gibt es ja die verschiedenen Annäherungen, das ist einmal durch den Badergraben, denke ich, ist eine sehr schöne Annäherung, wenn man durch diese Arkade geht, diese Arkade, die stammt aus dem späten 17. Jahrhundert. Da hat man dort, wo jetzt die Gärten des Waiselhauses sind, also über diese Geschäftsteile des Bader Grabs, da gab es früher ein Verwaltungsgebäude, das sogenannte Neugebäude und das wurde durch diese Arkade mit dem jetzt noch bestehenden Museum Hallstatt, das damals das Amtshaus war, verbunden. Man geht durch diese Arkade, also durch eine Engstelle, die eng und nieder ist und dann geht der Blink zu diesem positiven Platzraum, zu diesem Proszenium, wo es ja dann auch wieder weiterführt. Also es führt ja dieser schmale Durchgang im Fleischhauerhaus, der führt ja dann den Kirchenweg hinauf. Aber ich denke, dieser Durchlass, der ist so klein, dass er jetzt diesen Platzraum nicht durchbricht. Dann gibt es die andere Annäherung, wenn man vom Marktplatz, vom unteren Marktplatz zum oberen Makler, da gibt es einerseits diesen Höhenanstieg, also man geht von unten nach oben, kommt dann in den Bereich des Waiselhauses bzw. Der Waiselhauskapelle und da genau an dieser Engstelle entwickelt diese Bebauungszeile, diese Fassadenzeile, das ist in erster Linie der Gasthofsee wird, Dort wird auf einmal dieser Kurvenverlauf konvex und es bildet sich eine negative, eine konkave - es ist ja nicht einmal mehr eine - Platzform, es ist eine Gasse und es wird in dieser Engstelle dringend auch noch diese Häuserzeile heran. Und da habe ich so den Begriff einer räumlichen Peristaltik. Da wird man durch diese Enge, durch diese Engstelle hindurch gedrückt und kommt dann in diesen Platzraum quasi von der Seite ein. Und der höchste Punkt des oberen Marktplatzes ist auch der Punkt, wo die Häuserzeile am stärksten zurückweicht. Und von diesem Punkt geht es wieder abwärts. Man kann sich natürlich im umgekehrten Weg vom Pfannhausbühel nach oben gehend oder auch vom oberen Weg kommend dem oberen Marktplatz nähern. Da gibt es diese Engstelle, die der evangelische Pfarrhof bildet und wenn man durch diese Engstelle durchgeht, da gibt es dann mal so einen ganz kleinen Platzbereich, der an allen Seiten eine positive Platzform, also eine konvexe Platzform erzeugt. Und dann gibt es eben diese schon beschriebene Engstelle beim Reisenauhaus, beim Haus Nummer 55 wo der obere Marktplatz mit dem Badergraben verschmilzt. Das heißt, die nordwestliche Verbauung ist sehr klar, ist sehr platzbildend, die südöstliche Bebauung ist eigentlich sehr platzbedrängend und auch sehr jung. Das heißt, jung, das sind Bebauungsstrukturen, die erst im späten 18. bzw. Frühen 19. Jahrhundert entstanden sind, also nach dem Marktbrand. Wenn man sich alte Ortsansichten ansieht, da ist der obere Marktplatz nach Südosten hin deutlich weiter. Da stand zwar dieser Pfannhausbereich, aber das war doch ein Stückchen weiter Richtung Süden.

Erst durch diese Bebauung nach 1750 wurde der obere Marktplatz in seinem südöstlichen Bereich eingeengt, so dass es vielleicht auch gar nicht so zutreffend ist, ihn als Platz zu bezeichnen. Es ist ein Straßenverlauf und auch hier wieder diese Peristaltik, diese Engstelle, Also die erste Engstelle Beginn evangelischer Pfarrhof, zweite Engstelle Haus 55, Übergang in den Badergraben, dritte Engstelle bei der Waiselhauskapelle.

Allein im Namen oberer Marktplatz steckt ja schon eine Unterscheidung zu einem unteren Marktplatz drinnen, den es ja tatsächlich gibt, der aber natürlich nicht mehr unterer Marktplatz, sondern Marktplatz genannt wird. Ganz ähnlich wie mit dem oberen Weg. Es gibt Pläne noch aus dem 19. Jahrhundert, wo ein Weg entlang des Seeufers, quasi ein Vorläufer der Seestraße, zumindest bis zum Bereich der Panzelbrücke, als Unterer Weg in die Lahn bezeichnet wird. Also ursprünglich gab es diese Gegenstücke und das ist natürlich der Topologie Hallstatt geschuldet. Ich denke, eine dieser ganz besonderen Qualitäten von Hallstatt ist, dass sich dieser Ort sehr, sehr stark auch in die dritte Dimension entwickelt. Ich bin davon überzeugt, dass diese Unterscheidung in einem oberen und in einem unteren Marktplatz schon sehr alt ist. Wenn wir uns die Marktansichten vor dem Brand vor 1750 ansehen, da gibt es ja einerseits die schon öfter zitierten Darstellungen Ritzingers, Das sind einerseits die akkurate Mappe bzw. die Tagrevierkarte von Hans Rietzinger und dann gibt es eben die jetzt neu in der Albertina aufgefundene Premblechnerkarte, die wird ja erst im Herbst 2025 der Öffentlichkeit präsentiert werden. Ich habe von dieser Karte eine Fotografie, die aber noch nicht so hochauflösend ist, aber die trotzdem schon sehr, sehr viele Details erkennen lässt. Und alle diese historischen Dokumente zeigen als Trennelement zwischen oberen und unteren Marktplatz vor dem Marktbrand die Spitalskirche. Die Spitalskirche stand als sehr, denke ich, doch dominanter Baukörper zwischen diesen beiden Plätzen und bildete bis zum Brand von 1750 den westlichen Abschluss des Marktplatzes. Das ist vielleicht jetzt eine kleine Ergänzung zu der Episode, wo es um den Marktplatz geht. Die übrigen begrenzenden Fassaden des Marktplatzes sind im Wesentlichen erhalten geblieben. Also definitiv erhalten geblieben ist die schüttliche Begrenzungsfassadenebene. Das ist das heutige Café Derbl. Diese Fassade, glaube ich, ist sogar in ihrer Höhe, in ihrer Zweihäusigkeit mit zwei Walmdächern sehr, sehr klar erhalten geblieben. Was verloren gegangen ist auf dieser Premblechner Karte, sieht man sehr schön an dieser Kante, Marktplatz, Gosau-Mühlstraße, also das wäre die südöstliche Gebäudeecke des Café Derbl, sieht man im ersten Obergeschoss in der Premblechner Darstellung einen Erker, der nach dem Brand nicht wiedererrichtet wurde, aber der, denke ich, sehr reizvoll wäre. Dann gibt es als die östliche Begrenzung des Marktplatzes, heute das Hotel Grüner Baum, die östliche Begrenzung des Marktplatzes, des unteren Marktplatzes, bildete auch vor dem Rand ein sehr großes Gebäude, das war der Pfarrhof. Bei der nördlichen Begrenzung hat es kleine Veränderungen gegeben. Das sind diese beiden heutigen Marktplatzhäuser 59 und 60. Das Eckhaus zur Wolfengasse war vor 1750 und auch danach das Rathaus.

Und das Haus, wo heute das Café zu Ruth drinnen ist, das war auch damals schon ein Gasthaus. Das war das Rechertsheimersche Wirtshaus. Die beiden dürften ursprünglich nicht so weit in den Marktplatz hineingeragt haben. Wenn man sich die Grundrisse der Häuser anschaut, ich habe soweit verfügbar auch die alten Grundrisspläne mit ihren Mauern, mit ihren Mauerstärken in die moderne Katastralmappe eingetragen. Und da gibt es schon Indizien, dass dieser nördliche Teil einfach ein bisschen weiter Richtung Norden schiebt. Also hier könnte der Marktplatz ursprünglich etwas offener, etwas weiter gewesen sein. Der wirklich starke Abschluss, das war die Westfassade dieser Spitalkirche.

Die Spitalkirche selbst war, wie aus den Plänen ganz klar hervorgeht, eine gotische Kirche. Sie weist sehr, sehr starke Ähnlichkeit mit der erhaltenen aus sehr Spitalkirche auf. Das heißt, selbe Bauzeit, selbe Verwendungszweck und auch wenn man sich jetzt diese Ausseer-Spitalkirche maßstäblich auf dem Markplatz liegt, ginge sich das ganz gut aus und die stand ungefähr so breit, wie das heutige Waiselhaus ist, in derselben Richtung vor dem Markplatz. Also die Nordfassade des Waiselhauses verläuft ja ziemlich genau in Ost-West-Richtung und parallel dazu verlief auch die Längsachse dieser Spitalskirche mit eben diesem achteckigen Turm an der Westfassade Richtung oberer Marktplatz und einem Dreiachtelchorschluss im Osten, also diese Spitalskirche wahrorientiert. Das ist ja so ein Grundmotiv, was man bei nahezu allen christlichen Kirchen findet. Diese Idee, dieses Ex-Oriente-Lux, aus dem Osten kommt das Licht, diese Hinführung Richtung Osten und auch die Spitalskirche hatte am östlichen Ende ein großes Spitzbogenfenster, wo eben das Morgenlicht dann in die Kirche einfiel. Dort, wo heute das sogenannte Waiselhaus steht, dort stand die Rechertsheimersche Salzfertigung, eine große Salzfertigung.

Die allerdings, und da muss ich dann anschließen, an die Situation nach dem Brand. Das heißt, vor dem Brand war der Riegel zwischen dem Markplatz, dem unteren Markplatz und dem oberen Marktplatz, Diese mächtige Spitalkirche mit dem Marktbrand, der ja im Haus Café Derbl, in diesem Bäckerhaus, das auch damals schon ein Bäckerhaus war, ausgebrochen ist und die Spitalkirche in unmittelbarer Nähe stand. Und wir wissen auch aus den Quellen, aus den Berichten, die den Brand beschreiben, aus dieser Kommission des Hofrat Quiex, dass die am stärksten betroffen, am stärksten zerstört hat. Die wurde nicht wieder aufgebaut und auf der Grundfläche der Spitalskirche, die wurde jetzt dem Platz zugeschoben und die Engstelle des Marktplatzes wanderte weiter Richtung Westen. Der ursprüngliche, fast quadratische, vielleicht leicht querrechteckige Platz, der wurde jetzt zu einem Längsdreieck, weil er dann im oberen westlichen Bereich die Fassaden zusammenschaut. Übrigens stand in den 1730er Jahren die Dreifaltigkeitssäule nicht. Die wurde erst kurz vor dem Marktbrand errichtet. Es gibt zur Dreifaltigkeitssäule ja eine eigene Episode dieses Podcasts.

Nachdem nach 1750 der Markt wieder bebaut wurde, wurden auch auf den zumindest Grundfesten dieser Recherzheimerschen Salzfertigung wurde das Waiselhaus errichtet und, Es wurde das Gebäude um zwei Fensterachsen Richtung Westen erweitert. Also es wurde weiter oben eine neue Endstelle geschaffen. Also es wurde das Waiselhaus um diese zwei Fensterachsen erweitert und es wurde die Waiselhauskapelle gebaut. Und die heutige Endstelle zwischen oberen und unteren Marktplatz ist durch diese baulichen Maßnahmen nach dem Marktbrand verändert worden. Wenn man jetzt zum Beispiel diesen Premblechnerplan sehr genau anschaut, da gibt es ein Haus, das ist der heutige Gasthof Seewirt und auch der gehörte zu diesem Rechertsheimer Komplex. Der hatte dort, wo jetzt der See wird, war die Kufstatt, also da wurden die Küfel, die Holzgebinde erzeugt. Dann dort, wo jetzt das Waiselhaus ist, war die eigentliche Salzfertigung. Dort, wo heute das Gasthaus zur Ruth ist, dort war das Rechertsheimersche Wirtshaus. Und das war eine der ganz wenigen Salzfertigungen, die keinen direkten Seezugang hatte. Es gibt ja immer noch zwischen dem Hotel Grüner Baum und dem Gasthof Simony ein sehr schmales Gässchen, das vom Marktplatz zum Seefeld und dieses Gässchen, das bezeichnen zumindest noch wenige alte Hallstätter als das sogenannte Rechertsheimer Gassel oder Rechertsheimer Gassel. Das heißt, hier ist dieser Name einer 1750 abgekommenen Salzfertigung bis ins 21. Jahrhundert erhalten geblieben. Und zwischen der Rechertsheimerschen Salzfertigung, also dort wo heute das Waiselhaus steht und dem Gasthof Seewirt, da gab es im Dachgeschoss einen Übergang. Das heißt, man konnte die Gebäude durch einen Übergang, waren die miteinander verbunden, wo der Fußgängerverkehr unten durchführte. Also es gab nicht diese Engstelle, bis heute zwischen Waiselhaus und Seewirt, die in der Breite und die Gasse nach oben offen ist, aber es war in der Höhe beschränkt. Also es gab eine Torsituation, was möglicherweise ein Indiz ist, dass sich vielleicht der Charakter des oberen Marktplatzes nicht ganz so sehr verändert hat. Dass sich der räumliche Abschluss nur von einem ursprünglich liegenden Rechte in ein Stehendes verwandelt hat.

Der obere Marktplatz besitzt ja heute eine L-förmige Gestalt. Heute zieht er sich ja letztlich vom oberen Teil des Badergrabens Richtung Süden in einer L-Farm. Und der hatte ursprünglich eine T-förmige Gestalt, weil eben dieser Spitalkirchenkomplex weiter unten saß, weil die Rechertsheimersche Salzfertigung nicht so weit nach oben drängte wie heute das Waiselhaus, weil die Waiselhauskapelle noch nicht errichtet war.

Und da hatte der Platz ursprünglich eher einen T-förmigen Charakter. Ähnlich wie beim unteren Marktplatz ist auch beim oberen Marktplatz zumindest die westliche Fassadenebene relativ unverändert erhalten geblieben. Also vor allen Dingen, wenn wir uns die Fleischhauerei Zauner anschauen, die ist auch auf der Premblechner Karte eindeutig zu erkennen, der hohe Durchgang, der dann weiter zum Kirchenweg führt, sehr schön dargestellt, denke ich, ist hier auch die heutige Hausnummer 54, Früher dort Wiesinger Glaserer, da ist auf der Premblechner Karte ein riesiger Spalierbaum dargestellt. Das finde ich auch sehr schön, dass in den 1730er Jahren bereits Spalierbäume üblich waren an dieser Fassade. Und auch hier an dieser Fassade spürt man wieder die Krümmung, so wie die Fassaden des Marktplatzes vor allen Dingen die Südseite des Marktplatzes gekrümmt ist. Und da habe ich Versuche unternommen mit Zirkelschlägen, also die Südseite des unteren Marktplatzes, die fügt sich eigentlich sehr schön in einen Kreis ein mit einem Radius von 120 Werkschuh. Der Werkschuh ist ein sehr altes Maß, ist in dem Podcast sicher schon öfter vorgekommen, ist genau ein Viertel des Hallstätter Bergstabels. Es gibt ein anderes Maß, auch noch die Daumelle, das war genau ein Drittel des Hallstätter Bergstabels. sondern weil das Bergstabel so ziemlich genau 120 cm ist. Es sind auch diese Maße im metrischen System sehr gut zu greifen. Der Werkschuh ziemlich genau 30 cm, die Daumelle ziemlich genau 40 cm. Und dieser Werkschuh ist ja letztlich nur mit ganz wenigen Abweichungen noch der alte römische Pes Imperialis. Und wenn man mit diesen Maßen, diese alten, nichtmetrischen Maße und dann schaut, welche Zählmaße haben wir, also wie viele sind das, wie viele Werkschuhe und da sind wir natürlich auch nicht in dekadischen Zählmaßen, so wie bis heute 10.000, 100.000, sondern da sind wir auch im Duodezimalsystem, da spielen 3, 4, Sie haben es jetzt vielleicht herausgehört, dieses 3 zu 4 Verhältnis ist ja auch zwischen Daumelle und Werkschuhe. Und da sind eben dann Maßzahlen wie 30, das ist das sogenannte Schilling und mehrfache davon interessant. Und da hat eben beim unteren Marktplatz die südwestliche Seite des Marktplatzes diesen Radius von 120 Werkschuh, während sich beim oberen Marktplatz eigentlich sehr schön ein Radius von 90 Werkschuh einfügt.

Diese Krümmung, denke ich, macht auch eine Riesenqualität dieses Platzes aus, dass es eben nicht ebene Fassadenflächen sind, sondern Räume, die Volumen anbieten, die einem quasi umarmen, wenn man eintritt. Was natürlich bei diesem oberen Marktwart, denke ich, auch sehr, sehr spannend ist, dass an diesem höchsten Punkt, also dort, wo dieser Durchgang zum Kirchenweg erfolgt, wo früher auch zwei Fluder noch voneinander abgezweigt sind. Wir haben jetzt hier wiederum eine Engstelle und gleichzeitig den höchsten Punkt. Also an dieser Engstelle fällt jetzt dieser obere Marktplatz einerseits Richtung Badergraben bis zu diesem Übergang, wo man vom Amthaus, vom Amthof über den Badergraben, der ja noch schön erhalten ist, mit diesen drei Bögen zum sogenannten Neugebäude kam.

Beziehungsweise fällt von diesem Punkt der obere Marktplatz auch wieder Richtung Pfannhausbühel ab Und auch der evangelische Pfarrhof, der dann auch nach dem Marktbrand natürlich erst errichtet wurde, viel später errichtet wurde, der drängt auch weiter von Osten kommend in diese doch vielleicht früher größere Struktur ein. Wobei, hier bin ich mir nicht sicher, wenn man da wieder auf die Premblechner Karte schaut, ist dieser obere Markplatz auch in dem Bereich, wo ich im Pfannhaus war, wo die Fundamente einer Pfiesel, war es auch wieder sehr, sehr eng.

Das heißt, heute hat dieser obere Marktplatz vielleicht weniger die Platzfunktion als eine Wegfunktion. Diese alten Motive, ich nenne dieses Motiv auch eine räumliche Peristaltik von Enge und Weite, natürlich auch von Hell und Dunkel. Diese Dynamik, diese Bewegung und dieses Verändern der Höhe, dieses Hinauf- und Hinuntergehen üben an diesem Ort einen sehr magischen Zwang. Vielleicht ist Zwang das falsche Wort. Vielleicht ist das genau der Reiz, dass diese Plätze interagieren, dass die nicht so kalt und leblos dastehen. Da habe ich schon das Gefühl, die nehmen mich auf. Wenn ich jetzt zum Beispiel vom Pfannhausbühel komme, auf diese Engstelle zugehe.

Dann weitet es sich wieder, wird aber wieder räumlich durch diesen Übergang im Badergraben begrenzt und jetzt natürlich durch die Engstelle, die dann nach dem Marktbrand entstanden ist, vom Waiselhaus. Und wenn ich mir dann überlege, wie hat es früher ausgesehen, wie war diese Übergangssituation, wie hat sich das alles verschoben, erlebe ich es immer wieder als eine sehr, sehr spannende räumliche Situation.

Über diesen Podcast

Das Welterbegebiet Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut ist eine einzigartige Kulturlandschaft mit einem reichen baukulturellen Erbe. Mein Name ist Friedrich Idam und ich stelle ihnen in jeder Episode eine neuen Aspekt unseres Welterbes vor. Dieser Podcast wird von Welterbe - Management Hallstatt unterstützt.

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von und mit Friedrich Idam, Gestaltung: Reinhard Pilz

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