Welterbe Hallstatt

Welterbe Hallstatt

Kulturelles Erbe im Salzkammergut

Transkript

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00:00:00: Heute zu Gast in Welterbehaltsstadt, gönnt er kein.

00:00:05: Gönnt ihr keines Holzbauexperte?

00:00:08: Ist Zimmerermeister ist Bauphysiker, isst aber auch ständiges Mitglied im österreichischen Denkmal-Beirat beim Bundesdenkmalamt und er begleitet die Sanierung der Seglauseinsteg.

00:00:25: Die Seglaaseinsteg wird jetzt ab dem Jahr ... und im Jahr... ... und in Zuge dieser Sanierung bekommt man, denke ich sehr tiefe Einblicke in die Konstruktion.

00:00:46: In Bauteile, die lange unter dem Wasser waren.

00:00:50: Könnt ihr bitte sei so gut?

00:00:52: Und beschreibe die Aufgabenstellung warum überhaupt die Seeglause...?

00:00:58: saniert wird, wie ist der Zustand und welches Ergebnis erwartet man sich von diesen Maßnahmen?

00:01:06: Ja vielleicht eingangs ganz kurz die Rahmenbedingungen.

00:01:10: Also die Seeglause wurde in der heutigen Form im sechzehnten Jahrhundert errichtet.

00:01:15: Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, fünftzehnhundertsechziger Jahre...

00:01:19: also es gibt Quellen, die schon auf Fünfzehn Elf hindeuten aber die sicheren Belege stammen aus dem Zeitraum, den du genannt hast und es gibt in diesem Podcast schon Episoden über Thomas Seeauer, dem Alten der immer wieder mit dieser Seeglause in Verbindung gebracht wird.

00:01:42: Es gibt eine Episode, die sich mit dem Aufbau, mit der Funktion der Seeglauser beschäftigt.

00:01:52: Letzte Klausmeisterin, die Frau Drausner zu Wort kommt in einem Tondokument und ich stelle in die Show Notes zu dieser Episode links zu diesen genannten Episoden, die sich auf die Seeklause beziehen.

00:02:07: Ja und seit dieser Zeit wird dieses Holzbauwerk zum Wasserstandsmanagement des Hallstädter Sees genutzt – und infolge auch das Traunflussessee abwärts!

00:02:20: Es ist die Sachlage so gewesen, dass Bauteile der Seeglause mittlerweile in schlechtem Zustand waren.

00:02:28: Es wurde mal bei einem Hochwasser ein Glaus-Door herausgerissen und so musste aus Sicherheitsgründen auch dieses Thema angegangen werden.

00:02:40: Es gab dann eine Abstimmungsphase vieler Stakeholder,

00:02:45: die

00:02:46: rund um die Glauseinteressen natürlich haben nur um das zu nennen.

00:02:51: Das ist das Bundesdenkmalamt, das ist der Gewässerbezirk.

00:02:55: Das sind aber auch die See- und Traunanreiner, die natürlich durch Wasserstandsveränderungen beeinflusst sind.

00:03:02: Also kurzum es war ein komplexer Prozess.

00:03:05: Das Tolle ist dass es jetzt gelungen ist quasi die Instandsetzung bewusst in Standsetzung also die Baugleiche Erdüchtigung und teilweise Erneuerung dieser Seeglause angehen zu können.

00:03:21: Du hast vorhin erwähnt, dass ein Hochwasser einen Klaustor zum Teil herausgerissen hat?

00:03:28: Wenn ich das richtig im Kopf habe gab es da Probleme mit dem Auflager des Doors oder der Lagern des Doos in unteren Torbaum.

00:03:39: Der untere Torbaum ist ja quasi das Schwellenholtz das Quier über den See verläuft und da war das Auflager bereits so stark abgenutzt oder beschädigt, dass das Tor herausgerissen wurde.

00:03:54: Ja genau also dieses sehr starken Kantölzer, also schätzungsweise zwanzig auf dreißig Zentimeter im Querholz tragen die Lagerung einen stellernen Bauteil in denen die Zapfen der Tore dieser Drehbar gelagerten Tore eingreifen.

00:04:12: Wiederlager wurde vor allem durch mechanische Belastungen entsprechend ausgearbeitet.

00:04:18: Es sei aber vielleicht an der Stelle auch noch vermerkt, es ist nicht so dass jetzt erstmal sind die Seeglause eingegriffen wird.

00:04:27: Ein hölzernes Bauwerk wie dieses kann ja nur über der Art lange Zeit bestehen und in Nutzung gehalten werden wenn es ein ständiges Warten gibt.

00:04:42: an der Übergangszone Luft zu Wasser, wo ja Holz nicht so dauerhaft ist wurde immer und das kann man auch mit den nachher noch zu besprechenden Methoden nachweisen wurden immer Bauteile ergänzt.

00:04:57: Nach Bedarf ausgetauscht.

00:04:59: wichtig material- und konstruktionsauthentisch.

00:05:05: Das ist ja denke ich aber auch gerade eine Stärke dieser traditionellen Konstruktion.

00:05:11: Die ist ja aus Materialien gefertigt.

00:05:15: Vorwiegend, die vorwiegend in der unmittelbaren Nähe der Seglause vorkommen das ist Holz und Stein und dann noch in einem sehr geringen Teil Schmiedereisene Bauteile wie eben diese Torlage.

00:05:30: da gibt es übrigens, das fällt mir ein auch noch eine Episode in diesem Podcast wo der Schmid-Azmannsdorfer aus Bad Großen in einer historischen Aufnahme berichtet, wie er diese geschmiedeten Bauteile für die Seeklause herstellt.

00:05:46: Aber jetzt ganz konkret wir haben schon über dieses Schwellenholz, über diesen unteren Torbaum gesprochen.

00:05:54: Dieser untere Torbaum wurde mechanisch belastet durch Geschiebe also letztlich durch Schotter welche im Lauf der Jahrzehnte, der Jahrhunderte diesen Torbaum durch das Wasser drüber gespült und quasi abgeschmiert wurde.

00:06:12: Jetzt hat man ja bei den die Arbeiten, die die Austauscharbeiten dieser Nährungsmaßnahmen an der Ostseite der Seeklause begonnen und hat hier jetzt einmal korrigier mich ein oder zwei Klausstuben trockengelegt durch Spundwände dass man die im trockenen Zustand auch jene Bauteile sanieren kann, die eigentlich im Regelbetrieb Unterwasser liegen.

00:06:40: Richtig also!

00:06:41: Die zwei Stuben auf der Steckwirt, auf der Ostseite sind jetzt trockengelegt und sind auch großteils mittlerweile schon in Stand gesetzt.

00:06:50: Vielleicht zwei Beobachtungen, die mich dabei fasziniert haben?

00:06:54: Zum einen diese Stuben bestehen ja vereinfacht gesagt aus Kästen bestehend in den Boden gerammten Piloten und die sind mit Steinen gefüllt, um so das Gewicht zu haben, um entsprechend dem Wasserdruck standzuhalten.

00:07:12: Und da war faszinierend dass die bestehenden Piloten üblicherweise gar nicht zu tief in den Bodengerammt waren.

00:07:20: also das bewegt sich alles im Bereich zwischen ein und zwei Metern vielleicht zweieinhalb Metern E-logisch, wenn man das Handy schlägt ist man mit der Rahmtiefe begrenzt und dass dann das Konzept mit den quasi beschwerenden Steinfüllungen über diese lange Zeit funktioniert.

00:07:42: Einfache Technologie hoch effizient.

00:07:45: Gibt es in diesem Klauschtum auch einen Boden?

00:07:48: Also wie man ihn direkt sagt ein sogenannter Schwaboden, die ja bei Ufer verbauten, bei so genannten Viren üblich sind.

00:07:55: oder liegen die Steine im Schlamm des Seekrons?

00:07:59: Also in den Kästen gibt es keinen Boden, außen drum herum gibt's natürlich diese Bedielungen um die Unterspülung dieser Kästen zu verhindern.

00:08:10: Die zweite Beobachtung, die ich vorhin genannt habe welche mich fasziniert hat ist das der Torbaum.

00:08:17: du hast zuvor schon beschrieben was das ist.

00:08:20: Der Unbredorbaum.

00:08:22: Stegwirtzeit wurde mittels Dendrochronologie auf seventeenhundert und zwanzig tatiert.

00:08:29: Also das ist ein Bauteil, der quasi dreihundert Jahre da im See verblieben ist dem Geschiebe ausgesetzt war also eine Lebensdauer aufweist die ich mir mit keinem anderen Baustoff so umzusetzen traue.

00:08:46: Das heißt, wenn ich dann von den siebzehnzwanziger Jahren noch dreihundert Jahre weiter zurückrechne, kämen wir ja quasi in die vierzehnzehnte Jahr schon vor der Entstehungszeit.

00:08:58: Dass also dieser Torbaum jetzt erst zum zweiten Mal gewechselt wird?

00:09:05: Genau!

00:09:05: Das ist hier mittels Dendrogonologie recht sicher nachzuweisen.

00:09:11: Wirft aber gleichzeitig die Frage auf und da bin ich wirklich schon gespannt wenn wir gegen See Mitte, wo die Wassertiefe deutlich höher ist vor Rücken.

00:09:22: Wo mit den historischen Methoden das Austauschen eines Torbaums extrem schwierig gewesen war ob diese Torbäume vielleicht noch original und somit älter sind oder auch einmal getauscht wurden.

00:09:38: Du hast jetzt schon einige dieser alten Bauteile-Untersuch bzw.

00:09:44: in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur diese Dendrochronologie durchführen lassen, gibt es da einen Schwerpunkt oder eine Erkenntnis bezüglich der verwendeten Holzarten?

00:09:57: Ja, insofern das der Großteil Tanne ist und bereichsweise dann Leache eingesetzt wurde Wobei das so wirkt, wie wenn die Leerche unterrepräsentiert ist und dann auch immer eher für speziellere Piloten und da wiederum für jene mit kleinerem Querschnitt eingesetzt wurden.

00:10:21: Also dominant ist sicher die Verwendung von Tannenholz hat ja auch damit zu tun dass beispielsweise Torbaum zwanzig auf dreißig Zentimeter Querschnitt dass solche Querschnitte in Leerche und dann splintfrei fast nicht umsetzbar sind.

00:10:41: Das heißt also im Umkehrschluss diese schwächeren Quersnitte aus Leerchen, sind da die Originalbauteile splint frei?

00:10:50: Das ist schwer einzuschätzen weil natürlich diese vor allem älteren Bauteile dann auch wieder durch Geschiebe relativ stark abgenutzt.

00:11:00: Tendenziell enthalten sie aber den Splint, also da wurden offensichtlich einfach runde Pfäle entsprechend als Piloten eingerahmt.

00:11:12: Ist übrigens unter Wasser ja auch weniger dramatisch wenn man da Splint einsetzt?

00:11:18: In welchen Erhaltungszustand sind da die geschmiederten Bauteile wie die in der Episode vom Schmiederatzmannsdorfer geschilderten Widerlager?

00:11:29: Ja, also alles das was unter Wasser liegt da sind die stellernen Bauteile oder die Schmiedeeisernen Bauteilen in recht gutem Zustand weil da die Oxidation ja nicht wirklich dramatisch ist und alles was dann über Wasser oder in der Wechselzone ist ist großteils ja mit hoher Wahrscheinlichkeit alle schon mehrmals getauscht worden.

00:11:55: Ist vielleicht für die Zuhörenden auch interessant dass beispielsweise die Bedielung, die man üblicherweise von der Steckbrücke aussieht.

00:12:05: Also dieser sichtbare Teil des Seeglause wird ja so alle dreißig Jahre in etwa getauscht und zwar laufend!

00:12:16: Das ist vielleicht auch wesentlich – Die Seglause konnte nur so lange erhalten werden weil es immer fähige Zimmerleute gab diesen Bauwerk fast zugeordnet waren und in einem laufenden Prozess der Wartung eingegriffen haben.

00:12:36: Und das ist jetzt noch so, also es gibt da drei Zimmerer vor nämlich die mit unter nicht ausschließlich aber mit unter mit der Erhaltung dieser Segelause beschäftigt sind.

00:12:49: Also wir haben neben den lokal vorhandenen Rohstoffen, dem lokal verandernen Baumaterial

00:12:57: auch

00:12:58: die lokalverhandene Wartungskompetenz.

00:13:02: Das heißt auch wenn manchen die Seglause als etwas völlig veraltetes und alterdümliches erscheint hat sie die unglaubliche Stärke dass sie völlig unabhängig von funktionieren oder nicht funktionieren von globalen Lieferketten ständig am Funktionieren gehalten werden kann.

00:13:27: Richtig und aus denkmalpflegerischer Sicht.

00:13:30: die Funktion, die ich bei diesem Bau vertrete möchte auch noch darauf hinweisen dass viel entscheidender als die richtigen Materialien oder die richtungen Verbindungsmittel viele entscheidende ist es verfügbar haben von Handwerkerinnen und Handwerkern, die quasi diese Techniken und Materialien zu verarbeiten wissen.

00:13:56: Und dass man eigentlich genau diese Handwerkskompetenz in die Zukunft hin absichern muss wenn man dieses Bauwerk authentisch weiter erhalten möchte.

00:14:08: Die Seeglause ist ja einer der nördlichsten Teile des Welterbegebietes, also sie liegt noch in der Kernzone des UNESCO-Welterbes.

00:14:19: und weil du jetzt den Begriff der Authentizität genannt hast es gibt ja von UNESCO ICOMOS das sogenannte NARA Dokument.

00:14:30: Das wurde in Nara Japan verabschiedet wo es um Authentzität geht und da heißt es einträchtig drin original und authentisch erfordert nicht dass das Material über fünfhundert Jahre erhalten bleibt.

00:14:46: Also die Seglause ist nicht oder wäre, nicht nur da noch original wenn alle Holzteile wirklich aus der Bauchzeit stammen sondern das Entscheidende ist, dass man mit den gleichen Materialien und einer traditionellen Handwerkstechnik wieder

00:15:08: das

00:15:09: Gebäude so in Stand hält wie es ursprünglich errichtet wurde beziehungsweise hier eine Instandhaltungstradition pflegt, welche aber auch im Laufe der Zeit bis zu einem gewissen Grad wandelbar ist.

00:15:30: Weil wir wissen ja aus Archivquellen die zum Beispiel im Salinenarchiv in Bad Isch liegen, die uns Herr Thomas Nussbaum freundlicher Weise gezeigt hat Da gibt es ja sogenannte Manipulationsbeschreibungen aus dem neunzehnten Jahrhundert, wie damals diese Wartungsarbeiten durchgeführt wurden.

00:15:48: Und die waren ja schon anders als zur Zeit im sechzehnten Jahrhundert.

00:15:53: also Es wird auch jetzt bei der Wartung Auch nach Möglichkeit mit modernen Techniken gearbeitet.

00:16:02: Ja und das ist natürlich diese Diskussion, die man ganz pragmatisch Berücksichtigung verschiedener Interessen führen muss.

00:16:14: Ich gebe ein Beispiel, wir arbeiten gerade unter Wasser – es geht gerade darum diese Torbäume auf der Pilotage also horizontal gekappten Piloten zu befestigen.

00:16:29: Diese waren traditionell mit sehr langen schmiedeiserenden Nägeln niedergenagelt.

00:16:36: Der Nachteil ist das Die hat die Verbindungen auf Zugbelastet eigentlich nur überschaubar stark belastet werden können.

00:16:45: Da aus Zugswiderstand, aus Längsholz ist bei einem Nagel gering.

00:16:49: und da

00:16:50: erlauben wir uns jetzt zum Beispiel dass wir an dieser recht kritischen Stelle schräg eingetrete Folgewindeschrauben einsetzen sehr lange diese Bauart um hier die Auszugswiderstände positiv zu beeinflussen.

00:17:08: Es ist nur ein Beispiel dafür, dass man dann manchmal natürlich an sinnvollen Stellen auch gute modernere Ansätze einsetzt.

00:17:22: Diese natürlich schon wieder kritisch im Sinne von Authentizität zu diskutieren hat und man wird vielleicht diese Schraubverbindung oder diese Schraubverbindungen an sichtbaren Stellen über Wasser eher nicht einsetzen.

00:17:41: Aber es ist ja letztlich auch ein Lernprozess, also man sieht hier wie du beschrieben hast dieses Schmiedeisenden Nägel die vielleicht vor dreihundert Jahren eingebracht wurden.

00:17:51: und wo man aber jetzt sieht sie haben nicht das gehalten was sich der Bauer ursprünglich versprochen hat, vielleicht war er der erste untere Torbaum noch mit langen Holznägeln befestigt.

00:18:05: Also, dass es hier natürlich auch einen technologischen Warnwahr gibt und das vielleicht in weiteren zwei oder dreihundert Jahren auch dann wieder die nach uns kommen, denken wir ja vielleicht, dass mit der Vollgewinne die Schraube war gut oder schlecht?

00:18:21: Also im Prinzip ist diese Seeglause auch ein riesiges Experiment im Mastabands zu eins.

00:18:28: Würde ich auch so sehen!

00:18:30: Könnte ich.

00:18:31: Dank dir sehr herzlich für das Gespräch.

00:18:34: Sehr gerne!

Über diesen Podcast

Das Welterbegebiet Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut ist eine einzigartige Kulturlandschaft mit einem reichen kulturellen Erbe. Mein Name ist Friedrich Idam und ich stelle ihnen in jeder Episode eine neuen Aspekt unseres Welterbes vor. Dieser Podcast wird von Welterbe - Management Hallstatt unterstützt.

Ab Folge 153 ist für jede Episode ein redaktionell bearbeitetes Transskript hochgeladen.

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von und mit Friedrich Idam, Gestaltung: Reinhard Pilz

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