Kulturelles Erbe im Salzkammergut
00:00:00: Im Rahmen der Summer School, der Leopold Co.
00:00:04: Akademie.
00:00:05: im Rahmen der Veranstaltung Zukunft des Tourismus was ist das richtige Maß in Tourismus?
00:00:12: habe ich am elften September zwanzig fünfundzwanzig einen Vortrag gehalten.
00:00:19: Der Titel meines Vortrages lautet Hallstadt eine prototypische Destination und Ich hab Ganz bewusst den Begriff Destination gewählt.
00:00:31: Er wird sehr häufig gebraucht, wenn man von Tourismus-Destinationen Bestimmungsorten spricht.
00:00:38: aber in diesem Wort Destination steckt etymologisch auch die Bedeutung Bestimmung Schicksal und ich denke für Hallstadt ist der Tourismus gerade schicksalshaft.
00:00:55: Wenn sie In der Google-Bildersuche den Begriff Austria eingeben, so werden sie bei den ersten Ergebnissen mehr als fünfzig Prozent Bilder von Hallstatt sehen.
00:01:09: Es ist dieser Blick vom dremischen Richtung evangelischer Kirche Richtung Markt – die evangelische Kirche steht im Bild mit zum Punkt – das ist dieses prototypische Bild nicht nur von Hallstadt sondern mittlerweile von Österreich, das heißt dieses Bild von Hallstadt symbolisiert weltweit Österreich.
00:01:35: Wenn man sich diesen Photopoint im Dremischen anschaut dann ist der natürlich von Touristen Massen belagert die genau dieses Fotos machen wollen.
00:01:48: Hallstadt ist also Instagram able geworden.
00:01:52: es geht für viele Besucher von Hallstadt darum, möglichst schnell durch den Ort zu eilen an diesen Photopoint zu kommen und dann sich selbst in dieses Bild hineinzusetzen.
00:02:05: Es gibt im Südkorea eigene Fotowettbewerbe nur mit diesem einen Bild von Hallstatt.
00:02:16: Wenn wir über die Zukunft des Tourismus diskutieren denke ich lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit des Tourismus.
00:02:25: Wie hat sich der Tourismus entwickelt?
00:02:28: Und da denke ich, ist Hallstadt eine Besonderheit!
00:02:32: Hallstadt ist – so meine ich – die kleine Welt, in der die große ihre Probe hält.
00:02:40: Hallstadt steht prototypisch für entscheidende Entwicklungen.
00:02:45: Hallstatt war in der Bronzezeit Frühform eines europäischen Handlerszentrums.
00:02:54: Hallstadt war zur Zeit der Beginnenden Neuzeit ein Ort, wo sich prototypisch eine Single Factory Town entwickelt hat.
00:03:04: Ein Ort, in dem der ganze Lebensvollzug und Wirtschaftsvollzug im Dienste der Salzproduktion stand.
00:03:13: Und Hallstadt hat bereits im neunzehnten Jahrhundert einen Deindustrialisierungsprozess durchgemacht und abgeschlossen, der gerade in Europa passiert.
00:03:29: Hallstadt hat im Laufe dieses neunzehnten Jahrhunderts den Wandel von einem Industrieort, von einem rauchenden Industrie-Ort zu einer Tourismusdestination in idyllischer Landschaft geschafft oder man kann es natürlich auch anders sagen ist durch die Umstände dazu gedrängt worden.
00:03:56: Wenn man sich die Reiseliteratur dieses frühen, neunzehnten Jahrhunderts anschaut wie haben diese Reisen in dieser entdeckerten Landschaft Hallstadt gesehen?
00:04:08: mit welchem Blick schaute damals der Tourist auf den Einheimischen so denke ich Hier mit einem Zitat von Franz Sartori, der in seinem Buch die österreichische Schweiz oder die malerische Schilderung des Salzkammerguts in Österreich obdeens, das ist aus dem Jahr eighteenhundertdreizehn erschienen.
00:04:30: Seine Fahrt über den Hallstädtersee beschrieben hat.
00:04:37: wörtlich schreibt Sartore merkwürdiger als alles was wir in der Gegend umher sahen waren uns die drei Gondoliere, die unser Fahrzeug auf den Halsstädter See lenkten.
00:04:50: Mitteldinger zwischen einem Orang-Utan und einem Menschen mit triefenden Augen und struppigen Haaren – drei bis vier Kröpfen am Hals – sprachlos und kreischend ruderten mich drei weibliche Wesen über dem See!
00:05:07: Das ist natürlich, denke ich schon, erschüttert zu sehen wie die Einheimischen gesehen wurden.
00:05:15: und möglicherweise – und das fürchte ich – dieses Potenzial steckt natürlich immer noch im Tourismus, wie die Bereisten gesehen werden können.
00:05:30: Nachdem dieser Besuchstourismus, dieser Reisetourismus sich weiterentwickelt hat entstand die Sommerfrische, d.h.
00:05:39: reiche Bürger, Waldinger der Großstadt Wien siedelten sich natürlich.
00:05:46: Vom diesem Pol badischen Kaiserhof siedelt sich im Salzkammergott an und errichteten sich Willen.
00:05:54: Sehr spannend ist wenn wir uns Postkartenfotografie in dieser Zeit ansehen die unterschiedliche Maßstäblichkeit wie groß diese Willen im Gegensatz zu den kleinen Häusern der Einheimischen.
00:06:08: Wir können auch in der Formensprache hier in Hallstadt eine Villa mit einem Turm, wo ja der Turm so denke ich sicher in seiner architektonischen Sprache als Herrschaftsinstrument steht.
00:06:24: Türme die ja sonst nur den Kirchen vorbehalten sind.
00:06:30: Die werden auf einmal von Privaten verwendet um ihre gesellschaftliche Dominanz auch in der Formensprache der Architektur darzustellen.
00:06:43: Natürlich, diese Villenarchitekturt besaßt zumindest bauliche Qualität wenn wir das mit dem vergleichen was Rezente Investoren wie die ihre Hotels bauen.
00:06:57: mit welcher amseligen Formenssprache mit welchter doch bestenfalls durchschnittlichen Architektor Mäßiger baulicher Qualität gearbeitet wird, nur um möglichst viele Touristen unterzubringen und möglichst ein Gewinn zu optimieren.
00:07:14: So steckt in dieser Willenarchitektur auf alle Fälle bauliche Qualität, die auch die Zeit seit dem Jahr nineteenhundert zum Teil zumindest überdauert hat.
00:07:27: Hallschatt war zu derzeit als der Tourismus einsetzte Die Industrialisierungsprozesse begann natürlich noch ein ausgesprochen klar sichtbarer Industrieort.
00:07:43: Und diese ersten Touristen, die hatten Interesse dieses Salzwerke zu besichtigen, die wollten schon wissen was passierte und man darf nicht vergessen dieser Salzeindustrie war über Jahrhunderte in der Habsburger Monarchie die High-Tech-Industrie.
00:08:02: also Man kann möglicherweise den Vergleich ziehen und sagen, das Salzkammergut war das Silicon Valley des Habsburgereiches.
00:08:13: Und nachdem immer mehr Touristen dieses Salzwerke besichtigen wollten, gab es an die Wiener Hofkammer eine Anfrage, welche ist das Salzoberamtsarchiv?
00:08:27: Und da fragten die lokalen Beamten Beider Hofkammer in Wien und die Hofkammern war ja die zentrale Verwaltungsbehörde.
00:08:37: Ob für die Besichtigung der Salzwerke, der Salinen durch Fremde Gebühren eingehoben werden sollten?
00:08:44: Und da kam die Antwort aus Wien – ich zitiere wörtlich – «da es weder schicklich noch mit der Würde der Staatsverwaltung verträglich wäre ist davon abzusehen für die Besichtigung der Salinen bestimmte Taxen abzunehmen.
00:09:04: Und ich denke, wenn man heute schaut wie die Salinen, die Salinendurismus sehr wohl für die besichtigung entsprechend hohe taxenabnimmt.
00:09:14: und da ist natürlich auf alle fälle ein gewisser Verlust anwürde denn damals noch die staatliche Verwaltung Bisaas zu konstatieren.
00:09:27: Den zwanziger, neunzehntreißiger Jahren setzte eine andere Form des Tourismus ein.
00:09:34: Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs hat sich natürlich die aristokratische Gesellschaft zu einer bügerlichen Jahr zum Teil sogar proletarischen Gesellschaft gewandelt.
00:09:47: damit wandelte es sich auch das Publikum.
00:09:51: Es waren nicht mehr nur die Hotels und die Sommerwillen nachgefragt sondern auch preiswerte Unterkünfte.
00:09:59: Heimito von Dodara schreibt in der Strudelhof Stiege genau dieserzeit, ja das ist eine Zeit in der bereits jede Mehlspeisköchin auf Urlaub fährt und für dieses Publikum preiswirte Unterkümpfe anzubieten entstand eben die Privatzimmervermittlung.
00:10:18: ich denke diese Privat-Zimmervermietung war auch im Sinne von Leopold Chor, vom richtigen Mars.
00:10:26: Das war denke ich ein Masantourismus wo der Ort noch nicht überlaufbar und wo vor allen Dingen die Einkünfte aus dem Tourismus bei den Halsstättern verblieben sind.
00:10:42: Diese Privatzimmervermietung brachte ohne viele Umwege – ich denke manchmal sogar wurde der Umweg über das Finanzamt vermieden, brachte direkte Einkünfte von den Touristen an die Einheimischen.
00:11:00: Natürlich gab es dann die Delle des Zweiten Weltkriegs, die wirtschaftlich schwierige Nachkriegsszeit und auch nach dem zweiten Weltkrig in der Sechzig-Siebzigerjahr wurde diese Form des Tourismus weiterbetrieben natürlich mit Schattenzeiten.
00:11:17: Wir kennen ja alle die Erzählungen von Kindern, die während des Sommers aus ihren Zimmern ausziehen mussten.
00:11:23: Irgendwo am Dachboden schlafen mussten um ihre Zimmer an die Fremden zu vermieten.
00:11:31: und trotzdem denke ich war es eine Wertschöpfung die zu einem sehr großen Teil im Ort geblieben ist und wirklich den Einheimischen gedient hat.
00:11:42: wenn wir heute in Hallstadt zum Beispiel über diese Seestraße gehen Und durch diese Flut der Touristen, wo wir als Einheimische auf gar nicht mehr richtig mit dem Fahrrad fahren können.
00:11:57: Da herrscht schon breiter Grundsense, dass das einfach ein viel zuviel ist.
00:12:04: und wenn man sich die Statistiken anzieht mit Touristen jährlich pro Einwohner dann sind Tourismus-Destinationen, London, Lisbon und Berlin.
00:12:19: Ja die sind im einstelligen Bereich, da hat man vielleicht ein, drei, fünf Touristen pro Einwohnung.
00:12:27: ja.
00:12:28: Ein bisschen mehr wird es dann schon bei Dubrovnik Santorin, Venedig der geht schon in den zweistelligen Bereich.
00:12:37: Und richtig hoch wird es denn erst bei Etretat das ist den Frankreich an der Atlantikküsteetretat ist schon etwas über tausend zweihundert Touristen pro Einwohnern.
00:12:52: und ja, ein trauriger Weltrekordhalter als Hallstadt mit jetzt aktuell ich denke so zwischen tausender achthundert und zweitausend Touristen jährlich pro Einwand.
00:13:04: Und es wird manchmal gesagt naja Hallstadt, das ist ja anders.
00:13:08: Das kann man ja mit Venedig nicht vergleichen.
00:13:11: Da gibt es ja Mästre, da gibt es Bereiche von Venedic wo es Einwohner gibt die ja gar nicht vom Tourismus betroffen sind.
00:13:19: Man müsste auch die Einwoner des historischen Stadtzentrums von Venerik nur in Betracht sind dann hätte man auch höhere Werte.
00:13:27: Aber ich denke auch in Hallstadt gibt's Bereiche im Echerndal, die kaum vom Massentourismus belastet sind und Ich denke, würde man auch hier nur die Einwohner im Markt nehmen, die wirklich explizit und am meisten dem Tourismus ausgesetzt sind.
00:13:47: Würde es ähnlich hohe Werte geben?
00:13:51: Es gibt in Hallstadt Protest – Sie wissen das – es gab zweimal eine Donnerblockade.
00:14:01: Es gibt im Gemeinderat mittlerweile breiten Konsens, es gibt einstimmige Beschlüsse.
00:14:08: Ein einstimiges Herandreten an die Landesräte der Oberösterreichischen Landesregierung mit der klaren Auffordung bitte helft uns, gebt uns Möglichkeiten zu Ritzbeschränkungen durchzuführen, gibt uns Möglichkeiten die Landesstraße unseren Bedürfnissen entsprechend zu betreiben.
00:14:29: aber da bekommen wir Hallstädter vom Land Ober Österreich definitiv keine Hilfe.
00:14:36: Das heißt, ich bin da manchmal schon am resignieren also dass man spürt man bemüht sich aber die Wirkung dieser Maßnahmen dieser Proteste verbuft letztlich als letztes Bild dieses Vortrags ein Eisberg.
00:14:56: und ich denke wenn man sich die geopolitischen Entwicklungen ansieht Wenn die Veränderung des Klimas tatsächlich so fortschreiten sollte, wie es prognostiziert ist.
00:15:14: Wenn die wirtschaftliche Entwicklung so weitergeht, wie sie zur Zeit die Trends ausschauen dass also in den Schwellenländern wie etwa Indien immer mehr Menschen in den Mittelstand aufrücken immer mehr Menschen sich Flugreisen leisten können, und das sind natürlich.
00:15:37: bei etwa einem Kilometer in den Innern sind das natürlich Millionen im Vergleich zu Europa.
00:15:45: Die Bedeutung von Europa an der Weltwirtschaft nähert sich ja dem einstelligen Prozentbereich und wenn es in diesen Schwellenländern wärmer wird dann ist er nicht nur Hallstadt mit dem Kühlensee, mit den grünen Wäldern die Destination.
00:16:03: Das betrifft ja dann ganz Österreich.
00:16:05: und wenn wir uns noch unsere eigene Wirtschaftsentwicklung, den Prozess der Deindustrialisierung in Europa ansehen.
00:16:14: Wenn wir sehen das zwanzig-fünfundzwanzig abgesehen von Tourismus alle Branchen der österreichischen Wirtschaft bereits in der Rezession waren, dass also von der Politik ja das größte Bishertreben ist diesen Tourismus weiter auszubauen als Geldbringer zu suchen, dann denke ich ist Hallstadt nur die Spitze eines Eisbergs.
00:16:43: Hallstadt diese kleine Welt in der die große ihre Probe hält, Hallstadt wo Entwicklungen schon früher stattfinden also anderswo?
00:16:53: Dann ist Hallstat diese Spitze des Eisberg was letztlich auf ganz Österreich vielleicht auf den ganzen Alpenraum zukommen wird.