Welterbe - Sulzstuben
Weil die Soleerzeugung im Bergwerk so teuer war und bei der Soleleitung immer wieder Sole verlorenging, entstanden zwischengeschalteteZwischenspeicher. Bei jeder Sulzstube wurde gemessen und dokumentiert, wie viel Sole von oberhalb eintrat und wie viel nach unterhalb weitergeleitet wurde. Diese Kontrollmessung hieß Zimentierung und oblag eigenen Zimentierern. Nachrichten über ein Gebrechen liefen nur so schnell wie ein Fußgänger, sodass die Pippen in den Wehren der Laugwerke erst verspätet geschlossen werden konnten. Infolgedessen brauchte jede Strecke ein Reservevolumen, das die weiter auslaufende Sole auffing, bis der Zulauf oben stand. Das zuverlässigste Maß war das volle, zuvor berechnete Fassungsvermögen von etwa hundert Kubikmetern, während Messstab, Schwimmer und Zimentiertröge nur ungefähre Werte lieferten. Vor den Sudpfannen wurde wiederum über das Befüllen von Sulzstuben die genaue Solenmenge ermittelt, welche in die Sudpfanne eingelassen wurde, um die Ausbeute an Siedesalz bewerten zu können. Die Sole ist dünnflüssiger als Wasser und sucht jede Fuge. Dementsprechend wurden die rund siebzehn Zentimeter starken Sulzstubenladen auf mehrere Meter Länge passgenau gehobelt, an der Innenseite schmal abgefast und mit gereinigtem Hanf in der Schopprechte gedichtet, bevor ein trapezförmiger Zain die Schnur unter Druck setzte. Stiedeln mit Keilzapfen zogen untere Schamel, Felle und Ortwände zu einem starren Kasten zusammen, der auf Tragmauern und Mauerbänken ruhte. Hieraus ergibt sich, dass das Holz nach dem ersten Füllen aufquoll und die Fugen schloss. Die steinernen Tragmauern an der Unterseite, ein Verschlag der Wände und ein Steildach mit hinreichendem Überstand, bildeten einen wirkungsvollen, konstruktiven Witterungsschutz. Auf diese Weise entstanden aus regional vorhandenen Baustoffen und der lokalen hochstehenden Handwerkstradition Behälter für einen wertvollen Industrierohstoff, die über Jahrhunderte ihre Aufgabe hervorragend erfüllten.
Link zur Landingpage mit der Transkription des historischen Textes und Zeichnungen der Sulzstube.
Weiterführende Informationen zu den Resten der Sulzstube am Ahnlberg.
Weiterführende Informationen zur Soleleitung.
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