Welterbe Hallstatt

Welterbe Hallstatt

Kulturelles Erbe im Salzkammergut

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In der heutigen Episode von Welterbe Hallstatt geht es um die Sulzstuben. Sulz ist ja in unserem aktuellen Sprachgebrauch ein Wort für die Sülze, also für Gelatine. Aber die Sulze ist im bergmännischen Wortschatz seit Alters her und auch heute immer noch die Bezeichnung für die Sole. Also Sulzstuben sind dann auch als Solestuben anzusprechen, also Sulzstuben oder Solestuben. Sulzstuben waren große, hölzerne Solebehälter mit einem Fassungsvermögen von ungefähr 100 Kubikmetern. Die Sulzstuben besaßen eine sehr wichtige Bedeutung im System der Soleleitung. Und zwar war eine der Hauptaufgaben dieser Sulzstuben die Zwischenspeicherung der Sole und die war erforderlich zum Messen.

Die Produktion der Sole war so aufwendig, dass die Sole wirklich ein natürlich äußerst wertvoller Rohstoff war. Und beim Transport der Sole durch das Leitungssystem, durch den Strähn, ging immer wieder Sole verloren. Und um diese Soleverluste möglichst klein zu erhalten, wurde ein System entwickelt, dass die Soleleitung immer wieder von Sulzstuben unterbrochen war, wo bei jeder Sulzstube gemessen wurde, bei der oben liegenden, wie viel Sole in die Soleleitung eingeleitet wurde. Und dann bei der nächsten Zwischenstation, wie viel Sole ankam. Und diese Messung wurde permanent durchgeführt. Diese Messung hieß damals die sogenannte Zimentierung. Zimentierung ist ein Wort aus dem Eich- und Vermessungswesen und bedeutet die Normierung von Maßen, letztlich das genaue Messen. Mit dieser Aufgabe war ein eigenes Personal betraut, die sogenannten Zimentierer. Die waren auch verantwortlich für dieses genaue Zimentieren und natürlich für die möglichste Reduktion der Soleverluste.

Im Prinzip funktionierte es so, meistens waren die Sulzstuben paarweise angeordnet. Es kam aus dem Bergwerk, zum Beispiel oben beim Rudolfsturm stand eine Sulzstube, kam aus dem Bergwerk laufend die Sole angeliefert, und dann wurde eine Sulzstube einfach mal volllaufen gelassen. Und man kannte natürlich von dieser Sulzstube das Volumen, das Fassungsvermögen. Man wusste genau, wie viel Sole in dieser Solestube war. Sobald diese Solestube voll war, erfolgt der sogenannte Umschlag. Dann wurde quasi die Leitung umgestellt und in die zweite Solestube die Sole eingelassen. Und die, die gefüllt war, wo man das Volumen kannte, begann dann der Ablass in die Soleleitung.

Ich denke, man muss sich hier vor Augen führen, heute ist es selbstverständlich, dass man über Handy-Informationen sehr schnell weitergibt. Damals erfolgte die Informationsweitergabe viel, viel langsamer. Also die erste schnelle Informationsweitergabe gab es zu Beginn des 19. Jahrhunderts in den Napoleonischen Kriegen. Da wurde erstmals der Lichttelegraf eingeführt, wo man mit Lichtsignalen und letztlich Morsezeichen Botschaften relativ schnell weitergeben konnte. Davor war letztlich die Geschwindigkeit der Informationsweitergabe, wenn es ganz schnell gehen musste, die Laufgeschwindigkeit eines Pferdes, das gab es im Salzkammergut, vor allem in Hallstatt aufgrund der extremen topografischen Lage nicht. Das war letztlich die Fußgängergeschwindigkeit. Also wenn jetzt irgendwo an der Soleleitung ein Problem auftrat, dauerte es eine Zeit lang, bis die Information über das Problem zum Beispiel Richtung Bergwerk weitergegeben wurde, um den Abfluss der Sole zu stoppen. Also der Ursprung der Sole stammte aus den Laugwerken im Bergwerk, da waren dann die sogenannten Wehren, die konnten mit sogenannten Pippen, also das sind Systeme, Hahnsysteme, hölzerne Hähne, konnten die aufgedreht und wieder abgedreht werden. Aber es dauerte sehr lange, bis diese Information ankam. Und wenn da ein Gebrechen war, dann war es eben unbedingt notwendig, quasi einen Zwischenbehälter zu haben, wo man die immer noch auslaufende Sole zwischenspeichern konnte, bis die Information oben angekommen war und dass dann dort die Leitung abgedreht wurde. Also die eine ganz große Bedeutung dieser Sulzstuben war die Zimentierung, das Messen. Und für dieses Messen standen unterschiedlich genaue Methoden zur Verfügung. Die genaueste Methode war das berechnete Volumen der Sulzstube. Dann gab es Messstäbe. Es gab spezifisch zu jeder Sulzstube einen Messstab, der in den Solebehälter eingestoßen wurde, bis er am Boden der Sulzstube anstand, wenn sie ihm nicht vollständig gefüllt war. Und in diesem Messstab waren Kerben eingeschnitten. Und das war schon umgerechnet, dass man wusste, wenn der Messstab bis zu einer gewissen Kerbe nass war, dann entsprach das eben einem ganz genauen Volumen. Die zweite Messeinrichtung, die quasi automatisiert war, die finde ich sehr spannend. Das war ein Stück Holz, welches auf der Oberfläche der Sole in der Sulzstube schwamm. Das war an einem Strick befestigt. Dieser Strick ging nach oben über den Rand der Sulzstube hinaus. Dort war eine Umlenkrolle, ging nach außen an die Außenwand der Sulzstube. Dort war ein Gegengewicht, sodass zwischen dem Holzstück, das innen in der Sulzstube auf der Oberfläche schwamm und dem Gegenstück ein richtiges Gleichgewicht bestand und sobald jetzt mehr Sole in die Sulzstube einlief, stieg natürlich der Spiegel, das Niveau der Sole in der Sulzstube. Das Holzstück schwamm auf und der Strick mit seinem Gegengewicht außen ging nach unten. Und auch da war an der Wand eine Skala angebracht, wo man ablesen konnte, wie gerade der aktuelle Füllstand der Sulzstube war. Diese Methode war aber nicht so genau. Das findet man auch in den handschriftlichen Dokumenten. Da wird davon gesprochen, dass dieser Strick unterschiedlich feucht ist, je nach Witterung und dass es sich durch diese Feuchtigkeit die Länge des Strickes ändert. Also dass dieses nur ein ungefähres Messen ist, aber es war insofern für den Zimentierer gut zu sehen, etwa wo ist der aktuelle Solestand, wann nähert sich die Sulzstube der vollständigen Füllung, wann ist umzuschlagen, wann ist mit dem Ablass zu beginnen. Es gab auch noch eine weitere Methode, das waren die sogenannten Zimentiertröge. Das waren Tröge, die mit ganz speziellen Ablassöffnungen versehen waren. Diese Ablassöffnungen bestanden aus hochwertigem Eibenholz, hatten genormte Durchmesser und hier floss dann eine ganz bestimmte Menge an Sole durch. Also da konnte quasi der laufende Durchsatz bestimmt werden und auch das wurde dann wieder maßstäblich umgerechnet. Aber das war eben auch nicht eine so exakte Methode wie das Füllen der Stube und einfach zu sehen, jetzt ist sie voll, jetzt haben wir diesen Inhalt.

Eine weitere Funktion dieser Sulzstube war in den damaligen Schriften bei gottesgewaltigen Zufällen, also bei Ereignissen höherer Gewalt, wenn zum Beispiel Steine auf den Soleleitungsweg, auf den Strängen gefallen sind und die Leitung zerstört haben, wenn durch Wolkenbruch Zerstörung und hinweg Leitung aller Strengleiter, also aller Röhren, die Soleleitung zerstört und unterbrochen war. Dann wurde natürlich der Abfluss gestoppt, aber von oben kam ja immer noch Sole heran und die wurde eben dann auch in diesem Reservevolumen der Sulzstube aufgefangen. Wenn dann eine weitere Funktion war, und das hängt natürlich wieder mit der Zimentierung zusammen, man war eigentlich schon seit dem 16. Jahrhundert, das lässt sich aus diesen Handschriften gut erkennen, intensiv daran interessiert, wie viel Siedesalz kann man aus der Sole gewinnen. Und da war es wichtig, ganz genaue statistische Werte zu haben, wie viel Sole in die Salzpfannen, in die Sudpfannen eingeronnen ist. Und auch das wurde durch Sulzstuben, die unmittelbar vor den Sudpfannen standen, wieder abgerechnet. Also die wurden auch wieder gefüllt und dann wusste man exakte Mengen, die in die Pfannen eingeronnen sind, um die Ausbeute aus der Sole, aus der Sulze berechnen zu können. Und ein letzter Punkt ihrer Bedeutung war das Aufwärmen der Sole bei großer Kälte. Das ist eher in dem Bereich, wo die Soleleitung der Strähn ein geringes Gefälle hat, also etwa ab Bad Ischl Richtung Ebensee. Und da war das Problem, wenn es im Winter sehr kalt war und die Sole, die ja einen wesentlich niedrigeren Gefrierpunkt als das Wasser hat, daher verwenden wir ja Salz auch als Auftaumittel, aber dennoch, wenn sie zu kalt wird, dann kristallisieren die Gipsanteile in der Sole und dadurch wurde die Soleleitung verstopft und da gab es die Aufwärmstuben, da wurden dann entsprechende Öfen in Betrieb gesetzt, um diese Sole aufzuwärmen. Es gab natürlich immer wieder diese schon beschriebenen Probleme mit der Soleleitung, dass es zu Brüchen kam, dass die Holzröhren in ihrer Länge nach aufrissen, und da gab es natürlich diese Anzeichen, auch in diesen alten Handschriften wird schon davon berichtet, dass man einfach das Ausschießen der Sole, also dass man einfach sieht, sie dringt aus dem Soleleitungsweg an die Oberfläche, aber auch schon aus den Zerstörungen, damals hieß es an der Vegetation, also an den Gewächsen, dass das Gras, dass die Bäume dort, wo ein Soleaustritt war, zerstört wurden. Und das waren auch diese Anzeichen und natürlich die durch das Zimentieren bekannten Verluste.

Im Hallstätter Strangdistrikt, also das war der Bereich, wo das Hofschreiberamt Hallstatt zuständig war, standen zu Beginn des 19. Jahrhunderts an den verschiedensten Standorten Sulzstuben. Die waren beim Kaiserin-Christina-Stollen, beim sogenannten Kreuzhüttl, beim Rudolfsturm im Kirchental, im Kirchenthal. Diese Sulzstube in Kirchenthal besteht noch zum Teil, also es besteht quasi die äußere Holzverkleidung und die Sulzstube selbst, der Solebehälter nur noch in Resten, ist insofern interessant. Man kann, wenn man in diese Sulzstube hineingeht, quasi den Solebehälter auch von innen betrachten. Dann stand eine im Hausgraben, also wenn man den Soleleitungsweg weitergeht. Dann eine sehr große im Bereich des Gosauzwangs. Dann beim sogenannten Gosau-Hallstatt-Steg in Ischl und die letzte im Hallstätter Revier war in Bad Goisern beim Hinlauf. Also das ist im Bereich der ehemaligen Kunstmühle Bad Goisern in der Ortschaft Gschwandt. Dann gab es in Hallstatt noch eine Sulzstube am Ahndlberg. Über diese Sulzstube oder über die Reste dieser Sulzstube gibt es auch Informationen. Ich stelle in die Shownotes einen Link dazu. Und es gab natürlich schon die beschriebenen Sulzstuben bei der Sudhütte, die dazu erforderlich waren, um genau zu messen, wie viel Sole, wie viel Sulze in die Pfanne eingelaufen ist.

Wie eine solche Sulzstube hergestellt wurde, wie dieses hölzerne Zimmerwerk dicht gestaltet werden konnte, da gibt es eine sehr interessante Handschrift, das ist die sogenannte Manipulationsbeschreibung. Diese Salinen-Manipulationsbeschreibungen stammen aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts und liegen in mehreren Versionen vor. Im Salinenarchiv in Bad Ischl liegt die Originalschrift, die Schrift, welche von den Bergmeistern hier an Ort und Stelle ausgeführt wurde. Und dazu gibt es einen Textband und dann gibt es einen Bildband, wo die jeweiligen Beschreibungen durch wirklich faszinierende Zeichnungen ergänzt wurden. Und von diesen quasi Originalen, die in Bad Ischl im Salinenarchiv liegen, wurden dann Abschriften hergestellt. Eine davon liegt im Landesarchiv in Linz, also es ging ursprünglich ins Salzoberamt nach Gmunden, dann jetzt als Oberamtsarchiv und jetzt ins Oberösterreichische Landesarchiv. Und eine weitere Abschrift liegt in Wien in der Bibliothek des Bundesministeriums für Finanzen. Das ging damals den Weg über die Hofkammer und als 1848 die Hofkammer aufgespalten wurde und das k. k. Finanzministerium entstand, ging dieses Exemplar an die Bibliothek des Finanzministeriums. Interessant dabei ist, dass die textlich voneinander abweichen, dass bei der Abschrift in der Kanzlei von den professionellen Schreibern offenkundig Veränderungen im Text durchgeführt wurden. Also vielleicht auch Dinge, die die Schreiber nicht verstanden haben oder, wo sie glaubten, sie müssten Vereinfachungen durchführen, damit sie die Herrschaften, die Vorgesetzten, an denen diese Abschriften gingen, besser verstehen. Also ist es von der Forschung her sicher am interessantesten, mit dem Original zu arbeiten, welches in Bad Ischl liegt. Da ist aber wiederum das Problem, dass diese Bergmeister, die das verfasst haben, ja keine professionellen Schreiber waren. Dass also einerseits die kurrente Handschrift wirklich schwer zu lesen ist. Und an dieser Stelle möchte ich mich auch wirklich sehr herzlich bei Herrn Thomas Nussbaumer, dem Archivar des Salinenarchivs in Bad Ischl, sehr herzlich bedanken, der mir bei der Transkription dieser Texte wirklich hilfreich zur Seite gestanden ist, weil da gibt es immer Wörter, die ich einfach nicht lesen konnte. Aber gemeinsam konnten wir eigentlich diese Quelle sehr gut auswerten. Ich habe speziell für den Sulzstubenbau eine Landingpage hergerichtet, wo die Transkription dieses Dokuments und auch die Scans der Zeichnungen hochgeladen sind. Also wenn Sie in die Shownotes dieser Episode schauen, finden Sie den Link und dann können Sie, denke ich, auch ergänzend zu dem, was ich jetzt erzähle, auch das Bild betrachten.

Die Sulzstube kann man sich, und das Wort Stube beschreibt es eigentlich schon sehr gut, was es ist, als einen hölzernen Kasten vorstellen. Mit einem Boden, mit zwei Seitenwänden, mit Endwänden, sogenannten Ortwänden. Das technische Problem bestand darin - man sagt im Dialekt: „Die Sulzen hat einen kleinen Kopf als Wasser“. Das heißt, diese Sulzstube musste noch dichter ausgeführt werden als etwa ein Wasserfass. Und sie war riesengroß. Also wir sprechen eben von Fassungsvolumen von etwa 100 Kubikmetern. Das sind Längen 5, 6 Meter lang, 4 Meter breit, 2 Meter, 3 Meter hoch. Dieser hölzerne Baukörper wurde aus sogenannten Sulzstubenladen gefertigt und diese Sulzstubenladen besaßen eine Stärke von 7 Zoll, also das sind ungefähr 17 Zentimeter, also wirklich starke Pfosten, man müsste eigentlich schon sagen Kanthölzer, und die mussten aber hochgenau gearbeitet werden. Also die mussten wirklich passgenau gearbeitet werden. Die wurden zum Teil traditionell manche Hölzer ausgehackt. Also das Rundholz wurde mittels der Breithacke an den vier Seiten bearbeitet. Teilweise wurden diese Sulzstubenladen auch gesägt und sie wurden händisch mit einem Fügehobel gefügt. Also ich habe ja einen Holzberuf gelernt, ich habe Holzbildhauer gelernt, habe dabei auch eine Tischler-Basis-Ausbildung gemacht mit Handwerkzeugen, da ein bisschen mit der sogenannten Raubank gehobelt. Und wenn man das einmal versucht und nur ein Meter langes Stück Brett mit einer Breite vielleicht von zwei oder drei Zentimetern zu fügen, wirklich eine dichte Fuge herzustellen, dann merkt man, wie schwierig das ist. Und dann wird mir natürlich umso mehr bewusst, einen 17 cm starken Pfosten auf 6 Meter Länge passgenau zu fügen. Das ist wirklich hochwertige Handwerkskunst. Vielleicht hier auch der Gedanke, die gesamten technischen Einrichtungen, die man für diese komplexe Salzindustrie brauchte, von den Einrichtungen im Bergwerk über die Soleleitung bis zum Sudhaus, wurde alles von lokalem Personal aus lokalen Rohstoffen hier in der Region gefertigt. Also da gab es Lieferketten, die waren vielleicht drei, vier Kilometer, vielleicht das einzige Eisen, das aus der Leobener Region kam, wurde von weiter her geschafft. Aber alles, was aus Holz und Stein war, wurde in der Region gefertigt und es gab regional dieses Wissen, wie man es macht und die handwerkliche Fertigkeit es dann auch tatsächlich auszuführen.

Die Sulzstube selbst stand auf einem Fundament, den sogenannten Tragmauern, und das war nicht nur ein Streifenfundament, so wie es wir heute kennen, das quasi unter den Außenwänden eines Gebäudes steht, sondern es waren bei der Sulzstube vier Mauerwerkstreifen in Längsrichtung, weil die Fundamente so dicht sein mussten, weil eben die gefüllte Sulzstube so schwer war. Diese Tragmauern waren aus Steinmaterial, zum Teil auch aus Quadermaterial errichtet. Man sieht das noch sehr schön bei dieser sogenannten Ahndlbergstube in Hallstatt. Da sind diese Tragmauern noch erhalten. Auf diese Tragmauern wurden in derselben Richtung auf ihre Mauerkrone sogenannte Mauerbänke, also wirklich mächtige Kanthölzer mit 30 x 30 cm Querschnitt aufgelegt, und die bildeten die Grundlage und quer zu diesen Mauerbänken wurden dann die sogenannten unteren Schamel ausgelegt. Diese unteren Schamel, das war quasi ein sekundäres Tragwerk, auf welchen dann die siebenzölligen Sulzstubenladen des Sulzstubenbodens ruhten. Um diese Sulzstube wirklich dicht zu bekommen, wurde sie durch eine Holzrahmenkonstruktion zusammengespannt. Und das funktionierte so, dass diese unteren Schamel 60 cm bis 1 m über die jeweils äußere Mauerbank überstanden. Und in diese unteren Schamel war ein großes Zapfenloch eingesteckt. Und in dieses Zapfenloch wurden dann die sogenannten Stiedeln eingesteckt. Das waren dann vertikal nach oben gehende Stützen. Die hatten nach oben wieder einen Zapfen, einen sehr langen Zapfen mit einer sogenannten Keilstegverbindung. Und auf diese Stiedeln wurde dann der obere Schamel aufgelegt und dann wurde in diese Keilstegverbindung, in den Zapfen des Stiedels, wurde ein Keil eingetrieben und dadurch wurde die Konstruktion zusammengespannt. Dieses Zusammenspannen war für die Dichtigkeit der Sulzstube letztlich ausschlaggebend. Wenn also diese Konstruktion stand, wenn die unteren Schameln lagen, wenn die Stiedeln eingesetzt wurden, dann wurde der Boden der Sulzstube, der war vorher zusammengezeichnet, also der wurde passgenau aufeinander gelegt. Dann wurden in den Eckbereichen vom Übergang vom unteren Schamel zum Stiedel die sogenannten Felle hineingelegt. Das waren besonders starke Kanthölzer, die innen eine Abschrägung besaßen und auf diese Fälle und auf diese quasi Eckkanthölzer wurden dann die Seitenwände aufgesetzt. Sowohl im Boden wie im Fell wie in den Seitenwänden war eine Nut. Die hatte dann einen Vorkopf von mindestens eineinhalb, zwei Schuh, also 30 bis 45 Zentimeter und in diese Nut wurde dann die Ortwand, die Ortwände, die Seitenwände links und rechts eingesetzt. Um aber diese Sulzstube wirklich dicht zu bekommen, waren alle Holzteile, also die ganzen Sulzstubenladen, aber auch die Ortwände, an der Innenseite abgefast. Die Fase war zwei Zoll tief, also beim Boden ging sie zwei Zoll in die Tiefe und ein halbes Zoll in die Breite, also ein sehr schlanker, v-förmiger Keil, der an der Innenseite jeder Fuge war. In diese Fuge wurde dann ganz unten eine sehr dünne Dreikantleiste eingelegt, das sogenannte Miesbeil und dann wurde eine Dichtungsschnur und die war in der Sulzstube aus Hanf.

Alle anderen Abdichtungen, zum Beispiel im Bootsbau, im Zillenbau, da war das Dichtungsmaterial Torfmoos, Sphagnum. Bei der Sulzstube, wo es eben darum ging, die hochviskose Sole vor dem Durchfließen zu hindern, da war ein noch hochwertigeres Dichtungsmaterial, sogenannter ausgeschwungener Hanf, erforderlich. Also das war Hanf, da waren die Hanffasern sorgfältig von allen Resten der Hanfpflanze, also vom verholzten Stängel, von den Schäben befreit. Der wurde auch noch zu Schnüren gedreht, wurde sorgfältig in diese Fuge, in die sogenannte Schopprechte, also diese Faser hieß die Schopprechte, eingelegt. Und dann kam obendrauf noch eine trapezförmige Leiste, der sogenannte Zain, und der wurde mit eisernen Sulzstubenklampfen niedergenagelt. Also es entstand durch den Formschluss des Zains in diese V-förmige Fuge ein Pressdruck, mit dem diese Hanfdichtung noch mit Druck eingetrieben wurde. Dann wurde die Sulzstube zusammengespannt und mit den Keilen, mit dem Eintreiben der Keile in die Stiedeln wirklich ganz fest zusammengespannt und dann befüllt. Und durch das Befüllen nahmen natürlich die Holzteile die Feuchtigkeit, den Wassergehalt der Sulze auf, quollen auf und waren dicht. Und so gelang es wirklich durch faszinierende Handwerkskunst dauerhaft dichte Sulzstuben herzustellen.

Eine sehr gut erhaltene Sulzstube finden Sie noch im Goiserer Weißenbach, also dort, wo der Goiserer Weißenbach in die Traun mündet. Dort ist ja auch am orographisch linken Traunufer die Soleleitung und dort findet sich eine Sulzstube, die wirklich noch sehr gut erhalten ist. Und natürlich für diesen guten Halt war auch noch weiter erforderlich, dass die entsprechend durch konstruktiven Holzschutz geschützt wurde. Der konstruktive Holzschutz bei der Sulzstube bestand darin, dass man sie einerseits durch die Tragmauern vom Gelände abhob, dass man aber auf die Sulzstube eine Dachkonstruktion aufsetzte, die auch sowohl im Bereich der Traufe als auch im Bereich der Giebelwände entsprechend weit über die Sulzstube überstand, sodass auch hier ein entsprechender Witterungsschutz gegeben war. Die Sulzstube selbst wurde noch mit Brettern verschlagen, dass auch ein seitlicher Witterungsschutz gegeben war. Und so gelang es, diese hölzernen Sulzstuben denen wirklich eine Lebensdauer von mehreren hundert Jahren zu verleihen.

Diese faszinierende Handschrift, diese Manipulationsbeschreibung und die wirklich beeindruckenden Zeichnungen, die im Tafelwerk dazu zu finden sind, da sind ja zum Beispiel auch alle Werkzeuge abgebildet, entstanden in den Jahren 1807 bis 1815. Und das war die Zeit der Napoleonischen Kriege. Das war eine extreme Zeit der Not. 1811 war zum Beispiel der österreichische Staatsbankrott. Also da war der österreichische Staat pleite. Mich fasziniert es wirklich, dass in dieser Zeit der wirklichen Not, des Krieges, Menschen mit wirklicher Akribie und Genauigkeit und auch Stolz dokumentiert haben, wie sie arbeiten, was sie alles können und wie es wirklich gelingt, mit regionalen Rohstoffen und regionalen Fertigkeiten einen faszinierenden Industriebetrieb am Laufen zu halten.

Über diesen Podcast

Das Welterbegebiet Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut ist eine einzigartige Kulturlandschaft mit einem reichen kulturellen Erbe. Mein Name ist Friedrich Idam und ich stelle ihnen in jeder Episode eine neuen Aspekt unseres Welterbes vor. Dieser Podcast wird von Welterbe - Management Hallstatt unterstützt.

Ab Folge 153 ist für jede Episode ein redaktionell bearbeitetes Transskript hochgeladen.

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von und mit Friedrich Idam, Gestaltung: Reinhard Pilz

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