Hallstatt - Gussgewölbe
Das älteste Gewölbe in Hallstatt ist das Tonnengewölbe des Beinhauses. Es hat die Gestalt eines liegenden Kreiszylinders und ist im Regelfall als Halbkreis geschlagen. Entstanden ist es in der Romanik, etwa im 13. oder 14. Jahrhundert, über einer Schalung aus Brettern, die als Negativform die Wölbung vorgab. Wassersägen sind im Ort erst in den 1520er Jahren nachweisbar. Zuvor wurde das Bloch von Hand über einer Sägegrube Brett für Brett gesägt. Auf die abgestützte Schalung kam entweder ein Mörtelbett, in das kleines Bruchsteinmaterial gedrückt wurde. Die Zwischenräume wurden mit Kalkmörtel ausgefugt. Oder der Bruch lag möglichst dicht auf und erhielt danach einen dünnen Mörtelguss. Beides lässt sich am fertigen Gewölbe kaum noch unterscheiden. An der Gusshaut bleiben die Fugen der Schalbretter als leichte Grate, und mitunter zeichnet sich sogar die Holztextur ab. Beim Brechen des anstehenden Kalks zum Felsen hin fallen Abschläge und Hauklein an, die für Haustein zu unbrauchbar sind und in dieser Gusstechnik dennoch tragen. So geht das gesamte Material des Abbaus in den Bau. Die römische Gussmasse Opus Caementitium stand in der Romanik nicht mehr zur Verfügung. Ihr waren Ziegelmehl und vulkanische Aschen als Puzzolane zugesetzt gewesen, sodass sie auch durch Wasseraufnahme härtete. Dichter Dachsteinkalk, im Dialekt Palfen genannt, ist äußerst druckfest, während der Kalkmörtel auch nach langer Aushärtung weich und formbar bleibt. Diese Nachgiebigkeit heißt Duktilität. Im 19. Jahrhundert ließ der Hallstätter Bergmeister Ramsauer druckhafte Strecken im Salzbergwerk auf zwei Arten ausmauern. Einmal mit genau zugehauenen Trapezsteinen aus harten Palfen, deren Fugen wie bei einem Gewölbe auf einen Mittelpunkt zielen. Daneben mit kleinem Bruchstein in Kalkmörtel, ähnlich dem Gussgewölbe des Beinhauses. Unter hohem Gebirgsdruck barsten die Werksteine und splitterten ab. Die weiche Kalkmatrix nahm die ungleichen Spannungen auf und lagerte sie um. Hieraus ergibt sich, dass die weniger aufwendigen Strecken geringere Schäden zeigten. Im Geißwandtunnel zwischen Ebensee und Traunkirchen steht innen eine harte Stahlbetonschale, während der Zwischenraum zur ausgebrochenen Felswand mit einer weichen Masse gefüllt ist, mitunter mit Styroporbeton aus zementgebundenen Kügelchen. Der Gebirgsdruck setzt dann nicht an einzelnen Stellen an, sondern verteilt sich über die Schale.
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